Die Idee eines Jugendparlamentes existiert in Wernigerode schon seit etwa 15 Jahren. Am Donnerstag haben drei junge Abgeordnete aus Wolfenbüttel ihr Parlament im Sozialausschuss vorgestellt.

Wernigerode l Jugendliche sollten die Chance zu mehr Mitsprache in der Stadt bekommen. Darüber herrscht Einigkeit im Wernigeröder Sozialausschuss. Eine Möglichkeit, den jungen Leuten eine Stimme zu geben, wäre die Gründung eines Jugendparlaments.

In anderen Städten gibt es bereits gewählte Vertretungen von Jugendlichen. Der Vorstand des Jugendparlaments Wolfenbüttel hat am vergangenen Donnerstag im Ausschuss für Soziales gezeigt, wie ein solches Gremium funktionieren kann.

"Wir sprechen für 2800 Schüler Wolfenbüttels", erklärte Marc Wilheine, dritter Vorsitzender des dortigen Jugendparlaments. Der 18-Jährige wurde, wie seine beiden Vorstandskollegen Laurice Boehm (21) und Ricardo Gummert (16), von Schülern aus allen weiterführenden Schulen der Stadt an der Oker gewählt. "Die Wahlbeteiligung an den Schulen war hoch, da die Politiklehrer dafür geworben hatten", sagtBoehm und versucht, Zweifel am Interesse der Jugendlichen zu zerstreuen. Eine Legislaturperiode der 23 gewählten jungen Abgeordneten dauert zwei Jahre.

Das Jugendparlament in Wolfenbüttel - 2009 gegründet - berät den Rat der Stadt. Dieser muss die Vorschläge der Vertreter anhören und über sie entscheiden: Das Jugendparlament verfügt über ein Vorlagerecht. Zudem gebe es alle zwei Monate eine Sprechstunde mit dem Bürgermeister speziell für Jugendliche. "Wir haben einen direkten Draht zur Stadtverwaltung", erklärt Laurice Boehme auf Nachfrage von Sabine Wetzel (Bündnis 90 / die Grünen). Dies könnten andere Vertreter der Jugend, etwa Schülersprecher, nicht leisten. Kevin Müller (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses, pflichtet dem Abiturienten bei: "Es ist schwierig für die Jugendlichen, über die Institution Schule die Stadt anzusprechen."

Die Jungparlamentarier in Wolfenbüttel tagen einmal im Monat. Zwar seien nicht immer alle Gewählten bei den Sitzungen, doch "es sind nicht nur fünf Leute, die sich um alles kümmern", sagt der zweite Vorsitzende Ricardo Gummert. Für verschiedene Projekte hätten die jungen Wolfenbütteler Arbeitskreise eingerichtet. "Wir planen derzeit eine Willkommensparty für Flüchtlinge, die bei uns aufgenommen werden, arbeiten aber auch an einem neuen Jugendcafé in der Innenstadt", so Gummert. Damit wolle man Bands aus dem Ort und Poetry Slams eine Bühne geben.

Bei allen Sitzungen der Vertretung dabei ist die Stadtjugendpflegerin als Geschäftsführerin des Jugendparlaments. Ihre Stelle sei extra für das Parlament eingerichtet worden und sie habe kaum Zeit für andere Aufgaben, berichten die Wolfenbütteler Jungpolitiker.

Daraus folgt die Frage, ob Wernigerodes Stadtjugendpfleger Gernot Eisermann Verstärkung bräuchte, wenn hier ein Parlament zustande käme.

Um ein ähnliches Projekt zu starten, ist laut Angela Gorr, Stadtverbandsvorsitzende der CDU, die Initiative der Jugendlichen am wichtigsten. Kevin Müller stimmt ihr zu: "Wir dürfen den Jugendlichen nicht von oben etwas aufsetzen, das Engagement muss von ihnen kommen." Es liege sogar noch eine Satzung für ein Jugendparlament von Anfang der 2000er-Jahre in der Schublade. Doch statt diese neu aufzuwärmen, müsse man mit frischen Ideen handeln.

Bedenken meldet Sozialdezernent Andreas Heinrich an: "In den 1990er Jahren hatten wir ähnliche Projekte entwickelt, um Jugendliche zu beteiligen." Doch diese seien nach und nach eingeschlafen. Skeptisch ist auch Schülerin Lena Magnus. Sie wurde beim Kandidatenforum zur Bürgermeisterwahl aufmerksam auf das Thema Jugendparlament. Die Zehntklässlerin befürchtet, dass es "in Wernigerode nicht genügend interessierte Jugendliche gibt".