Ballenstedt l Die Ursache für das Feuer ist laut Polizei bislang noch völlig unklar. "Wir haben das Gebäude beschlagnahmt und werden am Montag mit unseren Brandexperten die Ermittlungen fortsetzen", sagte Axel Oberländer vom Polizeirevier in Halberstadt am Sonnabend. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten weder Brandstiftung noch ein technischer Defekt - beispielsweise an der Elektroanlage - ausgeschlossen werden, so der Leitende Einsatzbeamte der Polizei im Harzkreis.

Notruf ging um 1.10 Uhr ein

Nach Oberländers Angaben gingen die Notrufe am Sonnabend gegen 1.10 Uhr in der Kreis-Leitstelle ein. Beim Eintreffen der ersten Feuerwehren habe der Dachstuhl des Gotteshauses bereits in voller Ausdehnung gebrannt. "Das Dach wurde aufgrund der Brandeinwirkung stark beschädigt und ist einsturzgefährdet. Im Innenraum der Kirche entstanden durch die Raucheinwirkung und das Löschwasser erhebliche Schäden", sagte der Polizeihauptkommissar.

Äußerlich halten sich die sichtbaren Schäden nur auf den ersten Blick in Grenzen. Von der Bebelstraße aus ist zu sehen, dass zahlreiche Dachziegel, insbesondere im Firstbereich, heruntergestürzt sind. Im hinteren Bereich des weit über 100 Jahre alten Gotteshauses mussten die Feuerwehrleute zahlreiche Ziegel entfernen, um an alle Glutnester im Bereich der Dachkonstruktion zu gelangen.

In diesem Bereich, genauer in einem Anbau der Kirche, brach das Feuer ersten Erkenntnissen zufolge aus. In jenem Anbau sind nach Volksstimme-Informationen unter anderem elektrische Anlagen und die Steuerung des neben der Kapelle befindlichen Geläuts untergebracht. Über ein über dem Anbau vorhandenes Fenster scheinen die Flammen auf das eigentliche Gotteshaus übergegriffen zu haben. Im Innern des Andachtsraums breiteten sie sich dann rasend schnell aus und beschädigten insbesondere den hölzernen Dachstuhl.

Dass das Feuer von jenem Anbau ausging, steht für Pastor Theodor Hering außer Frage. Der Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Ballenstedt sprach wenige Stunden nach dem Feuer von einem "ziemlich großen Schaden", der sich längst noch nicht genau beziffern lasse. Die Kameraden der Feuerwehren, denen Hering ausdrücklich dankt, hätten umsichtig und schnell agiert und so noch größeren Schaden verhindert.

Bei der Schlosskapelle handele es sich um ein 1887 gebautes Gotteshaus. Es entstand seinerzeit als Bethaus unmittelbar neben dem Pfarrhaus. In den vergangenen Jahren sei die Kapelle schrittweise immer wieder saniert worden, sagte Hering. Neben dem nun massiv beschädigten Dachstuhl sei auch der Altarbereich samt Fenster erneuert worden. Zudem sei eine Fußbodenheizung eingebaut worden, um das Haus auch im Winter nutzen zu können.

Laut Kreis-Leitstelle waren nach dem Eingang des Notrufs sieben Feuerwehren mit insgesamt 74 Kameraden sowie Rettungsdienst und Polizei bis etwa 5 Uhr im Einsatz. Neben den Feuerwehren Ballenstedt/Opperode, Badeborn, Rieder und Radisleben wurden in den Nachtstunden auch die Wehren Gernrode, Ermsleben und Meisdorf alarmiert. Während der Löscharbeiten musste in der Bebelstraße die Stromversorgung mehrere Stunden unterbrochen werden.

Weitere Fälle aktenkundig

Die Polizei will am Montag ihre Ermittlungen zur Brandursache fortsetzen. Sollte sich dabei Brandstiftung an einem Gotteshaus herausstellen, wäre das eine neue und besonders schlimme Dimension, heißt es in der Stadt.

Bei der Polizei sind mit Blick auf die Schlosskapelle bereits zwei Anzeigen aktenkundig: Im Dezember 2012 sei ein Bleiglasfenster beschädigt worden, sagte Reviersprecher Axel Oberländer. Im März vorigen Jahres drangen Unbekannte in das Gotteshaus ein, entzündeten dort Kerzen und versuchten anschließend, mithilfe eines Pulver-Feuerlöschers ihre Spuren zu verwischen.

Nach Abschluss der aktuellen polizeilichen Ermittlungen müssen Gutachter entscheiden, inwieweit Dachstuhl und Dacheindeckung erneuert werden müssen und wie hoch der Schaden ist. Die Polizei schätzt ihn auf mehrere zehntausend Euro.

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