Wernigerode l Das Verkehrschaos rund um die Nöschenröder Straße ist bislang ausgeblieben. Seit Montag ist die Straße für Bauarbeiten gesperrt. Doch in der Promenade und der Lindebergstraße, die als Umleitung dienen, hat sich der Verkehr eingepegelt und von Stau ist nichts zu sehen.

"Die Anwohner und Autofahrer kennen die Umleitung bereits aus dem vergangenen Jahr", so Gerald Fröhlich, Leiter des Ordnungsamtes. Sie hätten sich darauf eingestellt. Ihm seien keine Beschwerden bekannt. Wie bei den vorherigen Bauarbeiten, die im Dezember unterbrochen wurden, liege das Augenmerk jetzt vor allem auf der Kinderkrippe Lindenberg: "Die Parkplätze dort sind ein sehr sensibler Bereich."

Das erhöhte Verkehrsaufkommen fordere von Erzieherinnen und Eltern noch mehr Aufmerksamkeit, sagt Mitarbeiterin Eva Schulze: "Wenn die Kinder zu uns gebracht oder von hier abgeholt werden, müssen wir wirklich aufpassen." Dies seien die Betroffenen aus dem vergangenen Jahr gewohnt. "Wir hatten uns die Situation schon damals schlimmer vorgestellt, als sie letztlich war", sagt die Erzieherin. Nur manchmal kämen die Kinder etwas verspätet in der Krippe an.

Für Mike Behm, Passant auf der Promenade, ist die Baustelle kein Problem: "Ich bin meist zu Fuß unterwegs, da stören mich die aufgerissene Straße und die Umleitung kaum." Doch einigen Nachbarn fehle der kleine Lebensmittelladen Baake, der kürzlich geschlossen habe. Belastet fühlt sich Rainer Böhme, der die Nöschenröder Straße auf dem Weg zu zwei von ihm betreuten Hartz-IV-Empfängern durchquert. Er möchte nicht mit den Anwohnern tauschen, die sich täglich mit ihrem Auto hier durchkämpfen müssen.

Im direkt an der Baustelle gelegenen Hotel Fürstenhof befürchtet man unzufriedene Gäste. "Wir werden wohl schlechtere Bewertungen bekommen", so eine Mitarbeiterin. Doch erst in einem Monat ließen sich die Auswirkungen absehen.

"Wir wohnen jetzt ruhiger als vor den Bauarbeiten", erzählt dagegen Ingrid Simon aus dem Pulvergarten. Nun führen deutlich weniger Lkw vor ihrem Haus entlang. Und dass die Nöschenröder Straße saniert werden muss, lasse sich nicht ändern. Ähnlich sieht dies Eva Modemann: "Wir haben eine uralte Straße - da kann keiner wissen, was alles darunter liegt", spielt sie auf Verzögerungen bei den Arbeiten an. Damals wurden im Erdreich alte Leitungen und Rohre gefunden, die nicht in Plänen verzeichnet waren.

Für insgesamt 2,8 Millionen Euro werden in der Nöschenröder Straße Leitungen für Wasser, Erdgas und Strom ausgetauscht. Der Ausbau bringt auch neue Straßenlaternen, Granitplatten und Mosaiksteine für die Gehwege sowie eine neue Asphaltdecke. Bis zum Oktober sollen die Arbeiten beendet sein.