Wernigerode l Die gute Nachricht vorweg: "Wir haben noch keinen Hausschwamm entdeckt", sagt Andreas Meling, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Seit gut einer Woche werden der Festsaal und das Foyer im Wernigeröder Rathaus saniert.

Der Saal, in dem sonst unter anderem die Sitzungen des Stadtrats stattfinden, ist nicht wiederzuerkennen. Der Fußboden ist staubig, das Parkett teilweise herausgerissen. Der Holzpodest an der Stirnseite wurde abgetragen, nur ein Gerippe aus sperrigen Balken ist übrig. "Kaum zu glauben, dass wir vor ein paar Tagen hier noch `vasten colleg` gefeiert haben", sagt Meling.

Die Räume haben eine Verschönerung dringend nötig. Die letzte Renovierung ist gut 25 Jahre her: Kratzer auf dem Boden, Risse und Schmutz an den Wänden. Es ist unübersehbar: Der Zahn der Zeit hat an Festsaal und Foyer genagt. "Was wir vorhaben, ist eine Sanierung im Bestand", erklärt Baudezernent Burkhard Rudo auf Volksstimme-Nachfrage. "Das heißt, wir wollen die vorhandene Struktur erhalten und lediglich die Gebrauchsspuren beseitigen."

Zwischen 1936 und 1939 sei mit der letzten großen Umgestaltung des Saals begonnen worden, so Rudo. Vorher war der repräsentative Raum durch Zwischenwände in kleinere Büros unterteilt. "Die Arbeiten mussten jedoch wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs unterbrochen worden", sagt Rudo, der sich intensiv mit der Baugeschichte des Gebäudes beschäftigt hat. Erst 1947 seien die Arbeiten fortgesetzt worden. "Wernigerode hatte damals eine schwere Zeit hinter sich und mit den Kriegsfolgen zu kämpfen." Trotzdem habe man die Umgestaltung wieder aufgenommen. "Das war den Leuten eben wichtig."

Aus dieser Zeit stammen auch die Wandgemälde des Künstlers Bert Heller, die die Themen Vertreibung, Heimkehr und Wiederaufbau behandeln. "Die Gemälde lassen wir restaurieren", so der Baudezernent. "Ebenso die Holzfiguren von Otto Welte." Es sei bereits ein Restaurator zu Rate gezogen worden - auch um den originalen Farbton der Wandanstriche im Saal und des Treppenhauses im Foyer zu ermitteln. "Die Wände waren damals nicht weiß, sondern leicht getönt. Und genauso wollen wir sie wieder gestalten."

Neben einem neuen Farbanstrich für die Wände wird das Holzparkett überarbeitet. "Es wird abgeschliffen und dann wieder neu verlegt", informiert Andreas Meling. Der Unterbau für den Podest müsse neu gezimmert werden. "Die Lagerung war nicht mehr in Ordnung. Die Bühne hat immer gewippt." Komplett erneuert werde auch die Medien- und Tontechnik im Saal. "Außerdem verbessern wir die Beleuchtung", so Meling. Der 70 Jahre alte Kronleuchter werde mit neuen Lampen bestückt. Weitere Lampen sollen die Empore beleuchten.

Insgesamt sind für die Sanierung 150 000 Euro einplant. "Wir wollen bis zum Johannes-Brahms-Chorfestival - also bis zum 15. Juli - fertig sein", sagt der Pressesprecher. Die beiden Stadtratssitzungen im Mai und im Juli werden in das Audimax der Hochschule Harz verlegt.

Indes schreiten die Arbeiten am benachbarten Kleinen Sitzungssaal voran. Die dunkle Holzverkleidung ist einer hellen Wandfarbe gewichen. Eine neue Beleuchtungsanlage wurde installiert und Medienleitungen sowie dunkelgraue Auslegware verlegt. Anfang Mai werden die Möbel geliefert. Dann erfolgt auch die Endverkabelung, die für die Medientechnik notwendig ist. Mitte Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.