Wernigerode l Heidi Herrmann ist erschüttert. Sie pflegt das Grab eines geliebten Verstorbenen auf dem Wernigeröder Zentralfriedhof. Oft stellt sie Engel, Laternen, Kerzen oder Blumentöpfe auf. "Aber unter uns leben Menschen, welche sich laufend an diesen Gegenständen bereichern", schreibt die Wernigeröderin in einem Brief an die Redaktion. "Sie beklauen unsere Gräber. Welche Schande. Diese Menschen haben kein Herz."

Kein Einzelfall, wie Frank Schmidt auf Volksstimme-Nachfrage bestätigt. Der Chef des Wernigeröder Gartenamts beobachtet dieses Problem schon seit Jahren. "Im Herbst und Winter sind es Kränze und Gestecke, die gestohlen werden. Im Frühjahr und Sommer eher Schnittblumen und Blumentöpfe." Manche Diebe seien sogar so dreist und würden Bronzebuchstaben und Tafeln von den Grabsteinen abschlagen. Nur wegen des Metallwerts, so Schmidt.

Den Ärger der Bestohlenen könne er nachvollziehen. "Doch leider sind uns mehr oder weniger die Hände gebunden", sagt der Gartenamtsleiter. "Die Friedhofsbesucher kommen und gehen mit Blumen. Wir können nicht jeden überprüfen und fragen, ob er wirklich ein Grab pflegt." Den Betroffenen rät er, bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Ob die Langfinger danach tatsächlich gefasst werden, bezweifelt Frank Schmidt allerdings. "Ich kann nur an die Besucher selbst appellieren. Seien Sie aufmerksam! Und wenn Ihnen jemand auffällt, der von Grab zu Grab schleicht, melden Sie es umgehend der Friedhofsverwaltung!"