Für die Wanderwege im Wernigeröder Stadtwald ist seit Jahresbeginn die frühere Revierförsterin Ursula Möller zuständig. Sie sorgt dafür, dass die touristisch wichtigen Pfade in gutem Zustand sind.

Wernigerode l "Was ist das?", fragt Ursula Möller die fünfköpfige Gruppe, die von der Arbeitsförderungsgesellschaft Harz (AFG) Harz geschickt worden ist. Die Männer und Frauen stützen sich auf die Harken, mit denen sie den Graben am Schäfergrund vom Laub befreit haben und blicken auf den jungen Baum, den die langjährige Revierförsterin ihnen zeigt. Seit Januar ist Ursula Möller für die touristischen Wanderwege im Stadtwald zuständig - ein Posten, der bei der Umstrukturierung des Stadtforstes neu geschaffen wurde.

Mit Jahresbeginn wurde die Bewirtschaftung des Stadtwaldes an das Landeszentrum Wald (LZW) übertragen (Volksstimme berichtete). "Die ersten Erfahrungen sind positiv", sagt Wernigerodes Ordnungsdezernent Volker Friedrich. Im Zuge dessen wurden die Aufgaben im Forstbereich neu verteilt. Um die Instandhaltung der Wanderwege, die Einheimische und Touristen nutzen, habe man sich zwar bisher bereits bemüht, aber nur am Rande. Nun soll dies unter der Regie von Ursula Möller gezielt und koordiniert geschehen. "Es ist eine freiwillige Aufgabe, die die Stadt sich leistet, um eine vernünftige touristische Infrastruktur hinzubekommen", betont Friedrich. In Wernigerode habe diese eine größere Bedeutung als anderswo. Das gelte auch für die Ortsteile: "Insbesondere Benzingerode hat ein sehr großes, touristisches Wandergebiet."

Rund 100 Kilometer Wanderwege, für die Ursula Möller zuständig ist, führen durch den Wernigeröder Stadtwald. Hinzu kommen Loipen - vor allem in Schierke, auch rund zehn Kilometer in Wernigerode. "Wir müssen uns aber überlegen, ob letztere angesichts der Klimaentwicklung noch unterhaltenswert sind", so Ursula Möller. Rund 30000 Euro hat sie pro Jahr zur Instandhaltung von Wegen und Brücken zur Verfügung. "Und ich kann nur das ausgeben, was ich im Portemonnaie habe."

Deshalb müsse man genau hinschauen, was möglich sei, erklärt Ordnungsdezernent Friedrich. So viele Waldhütten wie zu DDR-Zeiten könne man zum Beispiel nicht unterhalten. Im Zweifel würden marode Bauwerke beseitigt - wie die Hütte am Schöneichenplatz, die durch einen Sturm zerlegt und dann abgebaut wurde.

Um Schäden zu entdecken, ist Ursula Möller ständig im Wald unterwegs. Wo etwas getan werden muss, fordert sie Hilfe an - etwa vom Bauhof oder von Trägern wie der AFG. Auch mit dem Harzklub-Zweigverein arbeitet sie eng zusammen - dieser ist weiterhin für Bänke und Beschilderung zuständig. Allerdings sei absehbar, dass die Mitglieder wegen fortgeschrittenen Alters die Aufgaben "nicht mehr in der Qualität werden leisten können", sagt Friedrich, der Zweigvereins-Vorsitzender ist. Wernigerode stehe damit nicht allein. "Es gibt bundesweit die Tendenz zu sagen, dass sich die Kommunen diesen Aufgaben stellen müssen."

Neben der Verkehrssicherungspflicht gehe es darum, Gästen und Einheimischen "einen schönen und bewanderbaren Wald zu bieten", so Friedrich. Seine Einschätzung: "Der Zustand der Wege ist relativ gut." Allerdings würden Wanderer auch künftig immer wieder mit Schäden durch Holzeinschlag konfrontiert. "Der Stadtwald ist ein Wirtschaftswald", betont Friedrich. Die Wunden würden aber schnell wieder heilen, versichert er - wie zum Beispiel am Kühnenkopfweg, wo die Vegetation schnell nachgewachsen sei.