Wernigerode l Momentan haben die Anwohner der B 244 in Wernigerode etwas Ruhe. Durch die Bauarbeiten in der Nöschenröder Straße entspannt sich die Situation entlang der Bundesstraße zwischen Mühlental bis Ilsenburger Straße. Keine Laster, die durch die engen Straßen fahren, kein Lärm, kein Dreck, keine Erschütterungen.

Dennoch kein Grund für Brigitte Tannert und ihre Mitstreiter von der Bürgerinitiative "B 244 - Wernigerode gegen Schwerlastverkehr" innezuhalten. Seit Jahren kämpfen sie für den Bau einer Ortsumfahrung. Ziel ist es, das Projekt auf der Prioritätenliste des neuen Bundesverkehrswegeplans ganz nach vorn, nämlich in den "vordringlichen Bedarf plus", zu bringen. Der Plan wird in den kommenden Monaten in Berlin erstellt. Mehr als 1000 Bauvorhaben konkurrieren um einen vorderen Platz auf der Liste.

"Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um auf sich aufmerksam zu machen", sagt Brigitte Tannert. So warb sie vergangenes Wochenende beim Bürgerfrühstück für ihr Anliegen. "Dabei sind 170 Unterschriften zusammengekommen." Die Briefaktion der Bürgerinitiative zeigte ebenfalls erste Früchte. "Wir hatten die Wernigeröder aufgegefordert, Briefe und E-Mails an die 41 Entscheidungsträger im Bundesverkehrsausschuss zu schreiben." Gustav Herzog (SPD) beispielsweise habe sehr informativ geantwortet. Auch Valerie Wilms (Grüne) habe nützliche Hinweise gegeben. "Das waren erfreuliche Zuarbeiten", so Brigitte Tannert. Andere Politiker hätten es sich leicht gemacht und das Schriftstück einfach an Manfred Behrens (CDU), das einzige Ausschussmitglied aus Sachsen-Anhalt, sowie an die Harzer Abgeordnete Heike Brehmer (CDU) weitergeleitet.

Brehmer habe zur "weiteren Erörterung der Thematik" ein Treffen in Wernigerode mit ihren Bundestagskollegen Manfred Behrens, Burkhard Lischka (SPD), Staatssekretär Klaus Klang (CDU) und Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) angeregt. Das Gespräch werde voraussichtlich im Juli stattfinden, informiert sie auf Volksstimme-Nachfrage. Als Tourismuspolitikerin und Harzer Bundestagsabgeordnete setze sie sich "mit allen Kräften für die Realisierung der in meinem Wahlkreis geplanten und im Bundesverkehrswegeplan angemeldeten Projekte ein", versichert Heike Brehmer.

Im Wernigeröder Rathaus wird indes die Stellungnahme der Stadt zur Notwendigkeit einer Ortsumfahrung überarbeitet. "Wir hatten Einsicht in das Papier und um einige Ergänzungen gebeten", sagt Brigitte Tannert. So sei es wichtig, auf die hohe touristische Relevanz hinzuweisen. "An der B 244 in Wernigerode stehen 13 Hotels und Pensionen in erster Reihe", so Tannert. Das seien mit den Ferienwohnungen 700 Gästebetten. Nicht nur der Wirtschaftsfaktor Tourismus sei durch die hohe Verkehrsbelastung gefährdet - auch die historische Bausubstanz leidet. "Immerhin liegen 164 denkmalgeschützte Fachwerkhäuser an der Bundesstraße. Der Oberbürgermeister hat uns zugesagt, das in der Stellungnahme zu ergänzen."

Das bestätigt Rathaussprecher Andreas Meling auf Volksstimme-Nachfrage: "Der Oberbürgermeister hat die zusätzliche inhaltliche Anreicherung unserer Stellungnahme in Auftrag gegeben." Das Schreiben werde derzeit im Amt für Stadt- und Verkehrsplanung vorbereitet. "Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Tagen an das Landesverkehrsministerium geschickt wird", so Meling.

Wer die Bürgerinitiative unterstützen will, kann sich im Internet unter www.b244-wr.de informieren, Kontakt ist per E-Mail an info@b244-wr.de möglich.