Die Sonderausstellung "Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte" im Harzmuseum Wernigerode ist auf großes Interesse gestoßen. Schüler des Stadtfeld-Gymnasiums haben Besucher durch die Schau geführt.

Wernigerode l Selten hat eine Ausstellung im Wernigeröder Harzmuseum so viel Interesse hervorgerufen. 1340 Gäste wollten die Sonderschau "Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte" sehen, die am heutigen Freitag letztmalig besucht werden kann. Die meisten wurden von 23 Schülern des Stadtfeld-Gymnasiums herumgeführt. "Die Nachfrage war riesig", berichtet Museumsleiterin Ulrike Hofmüller.

42 Gruppen haben die Schüler durch die Ausstellung begleitet. "Die Termine waren täglich von 7.30 bis 15 Uhr ständig ausgebucht", sagt Ulrike Hofmüller. Die Neuntklässler wurden für die Führungen vom Unterricht freigestellt, jeweils zwei von ihnen betreuten eine Gruppe. Mitarbeiter des Anne-Frank-Zentrums in Berlin hatten sie vor der Ausstellungseröffnung bei einem zweitägigen Seminar auf ihre Aufgabe vorbereitet. Mit Annemarie Hühne vom Anne-Frank-Zentrum diskutierten sie etwa über Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung.

Die Ausstellung schlägt anhand aktueller Beispiele den Bogen von der Geschichte zur Gegenwart. "Es ist ein historisches Schicksal, das aktuell ist wie nie", sagt Kulturamtsleiterin Silvia Lisowski. Deshalb passe sie gut in das Gedenkjahr zum Ende des Zweiten Weltkriegs. "Man beschäftigt sich nicht nur mit Anne Franks Leben, sondern denkt auch darüber nach, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat", bestätigt Schülerin Maria Leidert.

Um das Thema den Besuchern nahezubringen, ist die Wanderausstellung mit einem Projekt unter dem Motto "Jugendliche führen Jugendliche" verbunden - denn die meisten Gäste sind jung und besichtigen die Schau mit einer Schulklasse. Dass das Konzept aufgeht, bestätigten die jugendlichen Museumsführer. "Alle mochten den Umgang von Jugendlichen miteinander - und dass nicht nur der Lehrer spricht", sagt etwa Valeria Löwen. "Das macht es viel nachvollziehbarer, als wenn man es im Unterricht hört", bestätigt ihre Mitschülerin Kira Straub.

Für die Schüler war die Rolle als Ausstellungsführer eine Herausforderung. "Es war etwas Neues, dass man selbst sein Wissen an Gleichaltrige und sogar an Ältere weitergibt", sagt Ronja Deicke. Vor Führungen mit Berufsschulklassen habe sie zunächst Respekt gehabt, doch die Sorgen seien grundlos gewesen. "Am Anfang war ich sehr unsicher", gibt auch Natalie Trinh zu. Doch das hat sich schnell gelegt. "Aber nach der dritten Führung war ich viel selbstbewusster."

"Die Schüler haben sehr viel gelernt", urteilt Historiker Uwe Lagatz. "Das ist wertvoller als ein ganzer Monat Schule." Die Klasse habe sich sehr engagiert und eine Belohnung verdient. Das sehen auch die Verantwortlichen der Verwaltung so. Als Dankeschön bekommen die Schüler eine Abschlussfeier zum Schuljahresende mit Grill-abend im Waldhofbad, verrät Silvia Lisowski.

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