Zwölf Jahre lang hat Cary Barner den Wernigeröder Stadtelternrat geleitet. In diesem Jahr gibt die Juristin den Vorsitz ab. Volksstimme-Redakteurin Ivonne Sielaff hat sich mit ihr unterhalten und sie um ein Fazit ihrer Arbeit gebeten.

Volksstimme: Was hat Sie dazu bewogen, sich im Wernigeröder Stadtelternrat zu engagieren?

Cary Barner: Meine Tochter wird in Kürze 18 Jahre alt und legt gerade ihr Abitur ab. Seit 17 Jahren bin ich Elternvertreter, erst in der Kindertagesstätte, dann in der Grundschule und später am Gymnasium. 2003 wurde ich zur Vorsitzenden des Stadtelternrats gewählt. Da ich immer einen intensiven Kontakt zu den Lehrern und Erziehern haben wollte, habe ich mich engagiert. Für die Elternarbeit schlägt mein Herz. Hier konnte ich etwas bewegen, mich engagieren, Partner werden. Dies war mir wichtig.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie am Anfang Ihrer "Amtszeit" zu kämpfen?

Den Stadtelternrat gab es schon vor meiner Zeit. Aber er war nicht wirklich in die Stadt integriert. Wir haben ihn aufgebaut. Als Gremium musste sich der Stadtelternrat erst Gehör verschaffen - und das nicht nur in der Stadt, sondern auch im Landkreis. Denn wir sind neben den Grundschulen auch für die Sekundarschulen und Gymnasien zuständig. Es war ein langer Weg. Wir mussten die Schulen erst einmal kennenlernen und sie uns. Nicht überall sind wir offen empfangen worden. Es bedurfte Zeit, Vertrauen aufzubauen. Eltern sind nicht der natürliche Feind des Lehrers. Eine Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und Kind ist unabkömmlich. Für eine solche werben wir, bringen uns ein und benennen die Probleme der Eltern, denn ohne Eltern geht es nicht.

Welcher Probleme hat sich der Stadtelternrat in den vergangenen Jahren angenommen?

Es kursiert immer die Angst, dass Schulen geschlossen werden. Wir haben Wert auf die Stabilität der Schulen gelegt. Es ist wichtig, dass auch ländliche Schulen wie die Silstedter Grundschule erhalten bleiben. Dafür haben wir uns sehr eingebracht. Schulen sollten sich ein unverwechselbares Profil geben. Das halte ich in der Zukunft für sehr wichtig.

Weitere Themen?

Sichere Schulwege, die Ausstattung der Schulen, Bauarbeiten an ihnen und die Schulbeförderung waren Schwerpunkte ebenso wie das Schulessen. Das Thema Schulessen hat uns lange begleitet. Hierfür hatten wir sogar eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Verpflegung der Schüler zu verbessern. Wir haben die Küchen besucht, Eltern wie Schüler befragt und auf eine Qualitätsverbesserung Wert gelegt. Die Koordination der beweglichen Ferientage ist nach wie vor ein immer wiederkehrendes Thema. Inzwischen folgen die Schulen unseren Vorschlägen. Kämpfen lohnt sich, was beispielsweise die Grunderneuerung der Turnhalle in der Bachstraße gezeigt hat. Hierfür haben wir sogar demonstriert und damit den Schülern gezeigt, dass man mit demokratischen Mitteln etwas erreichen kann.

Wie oft haben sich die Mitglieder des Stadtelternrats getroffen?

Wir tagen dreimal im Jahr mit dem gesamten Stadtelternrat. Dazwischen trifft sich viermal der Vorstand. Das hat sich bewährt. Darüber hinaus bieten wir einen Gesamtelternabend im Jahr an - so auch in diesem Jahr. Themen waren bisher Drogen/Sucht, Bildungswege und die flexible Schuleingangsphase.

Sie scheiden in diesem Jahr aus dem Schulelternrat aus? Welche Probleme stehen weiterhin auf der Agenda?

Das sind vor allem solche Probleme, die immer wieder auftauchen: Unterrichtsausfall, der nicht aufgefangen werden kann. Ein weiterer Punkt sind die sicheren Schulwege. Vor Jahren haben wir uns dafür stark gemacht, dass die Ampel an der Halberstädter Chaussee bleibt, damit die Kinder sicher von der Burgbreite zu den Schulen im Stadtfeld und umgekehrt gelangen. Damals hat man nicht auf uns gehört. Jetzt wird wieder darüber diskutiert. Da müssen wir dran bleiben.

Wird Ihnen Ihr Engagement im Stadtelternrat fehlen?

Ich gebe den Vorsitz mit einem weinenden Auge ab, es muss aber sein, da ich im neuen Schuljahr kein schulpflichtiges Kind mehr habe und mich damit nicht mehr zur Wahl stellen kann. Aber ich habe mir eine neue Betätigung gesucht. (Seit 2014 sitzt die Juristin Cary Barner - parteilos - für die CDU im Stadtrat - Anm. d. Red.) Ich habe mich bewusst für die Arbeit im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport entschieden, damit ich die von uns angeschobenen Themen weiter begleiten und auch neue Impulse im Bereich Schule setzen kann.

Für Ihren Abschied haben Sie sich etwas Besonderes überlegt.

Ich habe mir einen Höhepunkt zum Abschluss gewünscht, der mit Unterstützung der Stadt Wernigerode ermöglicht wurde. Für den nächsten Gesamt-elternabend am Dienstag, 12. Mai, um 19 Uhr im AudiMax der Hochschule haben wir den Erziehungsexperten Dr. Jan-Uwe Rogge eingeladen. Ich habe bereits vier seiner Veranstaltungen besucht. Er hält keine trockenen Vorträge. Ihm zuzuhören, ist jedes Mal ein Erlebnis. Am Dienstag spricht er zum Thema "Was Kinder und Jugendliche heute brauchen". Sein Motto lautet: "Erziehung kann Spaß machen". Wie wahr! Zu diesem Elternabend kann ich nur jeden willkommen heißen.