Wer, warum auch immer, nach 33 Jahren Peter Gafferts Vergangenheit bei Mielkes Wachtruppe in die Öffentlichkeit holt, sollte dazu stehen. Ein verkappt-anonymer Brief, geschrieben offenbar unter falschem Absender, ist kein Stück besser als Überwachung und Denunziation à la DDR-Staatssicherheit.

Zur eigenen Vergangenheit sollte aber vor allem Peter Gaffert stehen: Wer sich in den 1970er Jahren auf drei Jahre verpflichtet hat, um seinen Wunsch-Studienplatz zu bekommen, und dabei beim Stasi-Wachregiment "Feliks Dzierzynski" landete, hat sich zwar sehr linienkonform verhalten und bekommt dafür heute natürlich kein Bienchen im Lebenslauf - er ist aber nicht automatisch ein schlechter Mensch. Der bloße Dienst beim Wachregiment war kein Pakt mit dem Teufel - das wurde er erst, wenn hauptberufliche oder inoffizielle "Stasi-Karriere" folgten. Bislang gibt es bei Peter Gaffert keine Hinweise auf mehr als bloßen Wehrdienst bei der Stasi. Um so mehr stellt sich daher die Frage, warum er sich selbst solche Schwierigkeiten macht.

Gänzlich undenkbar ist der Umgang mit Abgeordneten-Post im Wernigeröder Rathaus. Man muss kein Jurist sein, um zu merken, wie sehr die Sache stinkt. Solche Post ist für das Rathaus tabu. Es jetzt als reguläres Prozedere zu verklären, ist kontraproduktiv und lässt jedes Unrechtsbewusstsein vermissen.

OB Gaffert ist gefordert: Mit Transparenz in eigener Sache und einer raschen Entschuldigung bei Sabine Wetzel.