Königshütte l Die berühmt-berüchtigte Frage "Ist das Kunst oder kann das weg?" hat in den letzten Jahren niemand mehr angesichts der rostigen Säulen an der Hauptstraße mitten in Königshütte gestellt.

So richtig angenommen aber werden die Ende der 1990er Jahre neu hergerichteten Reste von acht Gusseisensäulen im griechischen Stil auch nicht. Zig Autofahrer und Businsassen fahren täglich vorbei. Ob sie das Denkmal sehen oder "betriebsblind" übersehen, ist offen. Es scheint aber weithin vergessen zu sein. Von Touristen wird es kaum beachtet. Das will nicht nur Claus Christian Wenzel nun ändern.

Der heute in Berlin lebende früheren Kreisarchitekt des Kreises Wernigerode setzt sich für die stärkere Beachtung des Denkmals ein. Er sieht in den Säulenresten nicht nur eine Meisterleistung der Harzer Gießereiarbeiter. Für ihn sind sie ein Stück europäischer Kulturgeschichte mit Anklängen an die deutsche Einheit, die zur Entstehungszeit der Eisensäulen schon aktuell war, sind gar ein Hinweis auf die aktuelle Griechenlandkrise. "Es ist ein Alleinstellungs-Merkmal für die Oberharzstadt", so Wenzel.

Gegossen wurden die Säulen 1827 für einen Vorbau (Portikus) der Ofengießerei in Rothehütte, später Königshütte. Dort waren sie bis in die DDR-Zeit der klassische Schmuck an einer Fabrikhalle, mussten später aber einer Erweiterung der Produktionshalle weichen.

Dabei sind die gusseisernen Säulen zum Teil geborsten, wurden aber geborgen. Später wurden sie als ein Denkmal gegenüber der Ofengießerei in Königshüttes Ortsmitte gleich neben einer Bushaltestelle aufgestellt. Eine Säule kam 1986 nach Wernigerode, wo sie bis heute in ein Denkmal im Stadtfeld integriert ist.

In Königshütte bemühten sich Bürger samt Bürgermeister Uwe Krenzler 1998 um eine Bereinigung des Platzes und die Aufarbeitung des Denkmals. Die lose herumliegenden Teile wurden beräumt, der Platz hergerichtet. Einige Säulenteile verschwanden seitdem, aber immer noch bieten die Reste einen imposanten Anblick - wenn man etwas genauer hinschaut.

Genau das Hinschauen fordert C. C. Wenzel und findet Unterstützung bei Oberharz-Bürgermeister Frank Damsch (SPD). "Es ist schon erstaunlich, was unsere Vorväter geleistet haben, das sollte nicht in Vergessenheit geraten", sagt Damsch. Er stammt aus dem Ort Tanne mit einer ebenfalls alten Harzer Gießereitradition.

Geld habe die Oberharzstadt für neue Denkmalpläne nicht, erklärt der Bürgermeister, aber im touristischen Bereich sollten die Säulen mehr berücksichtigt werden. Etwa durch Hinweise in Prospekten auf griechische Säulen aus Eisen im Harz. Dann rege das Denk-Mal vielleicht wieder mehr zum Nach-Denken an.

Ob Betrachter dabei wie Claus Christian Wenzel an die deutsche Einheit oder an Griechenland denken, wo dorische Säulen erfunden wurden, oder einfach die Schönheit des Platzes genießen, steht jedem frei.

 

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