Wernigerode l Bummelmeile, verkehrsberuhigter Bereich oder Tempo 20? Seit Jahren wird über die Umgestaltung der unteren Breiten Straße in Wernigerode diskutiert. Die Vorplanung wurde kürzlich im Bauausschuss vorgestellt.

Der 320 Meter lange Straßenabschnitt soll Tempo-20-Zone bleiben, so Bauamtsleiter Jörg Völkel. Eine Fußgängerzone sei an der Stelle nicht realisierbar.

Ziel sei es, die Attraktivität für Anwohner, Spaziergänger und Händler zu erhöhen, sagte die beauftragte Planerin Ines Ebert. "Wenn wir keine Parkplätze mehr vorhalten, könnten wir den Durchgangsverkehr um 50 Prozent verringern." Zugunsten von breiteren barrierefreien Gehwegen soll die Fahrbahn auf 4,75 Meter verschmälert werden. Auch Lieferfahrzeuge, Busse und Fahrräder sollen die Straße weiter passieren können. Haltemöglichkeiten für Lieferautos werden auf den Seitenstreifen geschaffen, so Ines Ebert. Was die Pflasterung betrifft, werde durch Naturstein eine gestalterische Einheit mit der oberen Breiten Straße angestrebt, ergänzte Architekt Thomas Hottenrott.

"Das wird nicht ganz billig", sagte Jörg Völkel. 1,3 Millionen Euro seien dafür einkalkuliert. Man wolle sich um Fördergelder bemühen. Wunsch der Verwaltung sei es, im kommenden Jahr mit der Umgestaltung zu beginnen. Gleichzeitig sollen die Versorgungs- und Abwasserleitungen im Untergrund sowie die Straßenbeleuchtung erneuert werden. Darüber hinaus werde laut Völkel überlegt, auf einen der beiden Busstopps zu verzichten und die bleibende Haltestelle nach hinten zu versetzen.

Siegfried Siegel (SPD) störte sich nach der Präsentation an der "zu weit fortgeschrittenen" Planung. "Der Rat sollte sich erst einmal klar darüber werden, welches Verkehrskonzept gewollt ist." Die Debatte darüber laufe bereits seit Monaten, entgegnete Ausschusschef Christian Härtel (Linke). In der AG Innenstadtverkehr seien die verschiedenen Varianten durchgespielt und Tempo 20 favorisiert worden, so Härtel. Außerdem sei die vorgestellte Lösung flexibel, warf Jörg Völkel ein. "Bei neuen Erkenntnissen zur Verkehrsführung ist es kein Problem, die Straße beispielsweise zur Fußgängerzone umzugestalten." Alles sei möglich.

Zu eng für Busverkehr

"Die Zeit, die wir verschenken, tut uns nicht gut", meldete sich Matthias Winkelmann (CDU) zu Wort und mahnte zur Eile. Zudem regte er an, den Bus über die Pfarrstraße umzuleiten. "Es zeigt sich täglich, dass die Einmündung Ringstraße zu eng für Busse ist - zumal fast jeder Tourist dort stehenbleibt, um das Schloss zu fotografieren." Und Hagen Bergmann, der als sachkundiger Einwohner im Ausschuss sitzt, schlug vor, die wegfallenden Stellflächen durch Kurzzeitparkplätze in den Nebenstraßen zu ersetzen.

"Wir wollen Sie mit unserer Vorplanung nicht überfahren", so Jörg Völkel. Die Arbeitsgruppe könnte erneut tagen und die Vorschläge aus den Fraktionen besprechen. "Dann verschieben wir die Beschlussfassung. Das können wir Ihnen anbieten." Christian Härtel bat dennoch um ein Votum. "Ich denke, wir können das Risiko eingehen, um eine Empfehlung auf den Weg zu bringen." Seine Ausschusskollegen sahen das ebenso und stimmten mehrheitlich für den vorgestellten Plan.