Der Streit um eine flugs gefällte Fichte auf dem Friedhof in Sorge hält an. Die Ersatzpflanzung ist angekündigt. Der Betroffene, Naturexperte und Ortsratsmitglied Otfried Wüstemann, hegt Zweifel an der Korrektheit der Aktion und kritisiert Bürgerunfreundlichkeit.

Sorge l Nur Eingeweihten fällt am kleinen Friedhof des Harz-ortes Sorge auf, dass seit einigen Tagen ein etliche Meter hoher Baum fehlt. Für Otfried Wüstemann ist der Verlust jedoch bei jedem Gang ans Grab der Eltern unübersehbar. Und er will auch die von Bauhofleiter Andreas Weingarten bisher gegebene Erklärung nicht akzeptieren.

Danach soll der Baum Bauhofmitarbeitern bei einem Besuch in Sorge als gefährlich schief aufgefallen sein. Deshalb sei er nach Rücksprache mit Weingarten von Mitarbeitern einer Elbingeröder Baumpflegefirma wegen "Gefahr im Verzug" abgetragen worden (die Volksstimme berichtete am 16. Mai".

Diese "Gefahr im Verzug" könne es aus zweierlei Gründen gar nicht gegeben haben, widerspricht Wüstemann. Zum einen habe er bei der Grabpflege mehrmals pro Woche nie eine Gefahr sehen können. "Und wenn, hätte ich selbst das Ordnungsamt informiert", so der langjährige Mitarbeiter bei Naturbehörden.

Zum anderen sei ihm von Zeugen der Fällaktion berichtet worden, dass der Baum beim Abtragen ohne zusätzliche Sicherung und ohne Anwesenheit einer Sicherungsperson bestiegen und abgetragen worden sein soll. "Das wäre bei einem Baum, der als akut umsturzgefährdet gilt, nicht möglich und nicht zulässig", argumentiert Wüstemann. Auch die Tatsache, dass es keinen schriftlichen Auftrag für die Fällung gegeben habe, findet er kritikwürdig, und ebenso, dass die Grabstelle nach dem Fällen nicht gesäubert wurde. "So dürfte keine Firma ihre Arbeitsstätte hinterlassen, auf einem Friedhof schon gar nicht", moniert Wüsteman. Auch sei die Ortsbürgermeisterin nicht über die Fällaktion informiert worden. "Ich bin seit 1985 durchgängig im Rat Sorge, ein derartiges bürgerunfreundliches Agieren kenne ich erst, seitdem Sorge zur Stadt Oberharz am Brocken gehört", resümiert Otfried Wüstemann.

Ein Gespräch bei Stadtbürgermeister Frank Damsch (SPD) ergab, dass die Stadt eine Ersatzpflanzung vornehmen werde, wie Damsch auf Nachfrage der Volksstimme sagte. Die Sache sei unglücklich gelaufen, aber im Grunde korrekt, so Damsch nach Befragung der Bauhofleitung. "Wir diskutieren jetzt wegen des fehlenden Baumes - wie würden wir diskutieren, wenn der Baum umgefallen wäre? Dann hätte es geheißen: Warum habt ihr nicht...", so Damsch.

Dieses Argument lässt Wüstemann nicht gelten. Er erwägt weitere Schritte, auch gegen die Baumpflegefirma. "Ich habe den Verdacht, dass das Holz vor der Fällung einen Liebhaber hatte, die Stadt sollte bei der Auftragsvergabe vorsichtiger sein", resümiert Wüstemann. Der Streit dürfte weitergehen.

 

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