Der Museumshof "Ernst Koch" feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat die Harzer Volksstimme in der Chronik des Silstedter Museumhofs geblättert.

Silstedt l Internationale Museumstag zünftig begangen wurde, "Oppn Hoff" und "Kultur auf dem Museumshof" mit der Silstedter Theatergruppe. Diese und zahlreiche weitere Veranstaltungen sind Beiträge zum 20-jährigen Bestehen des Museumshofs "Ernst Koch". Der Hof im Herzen von Silstedt war während der Feierlichkeiten zur 1000-Jahr-Feier des Ortsteils im Jahr 1995 eröffnet und mit viel Engagement der Stadtverwaltung und des Fördervereins zu einem Museum der ländlichen Tradition und Kultur ausgestattet worden.

Auf diesem sogenannten Dreiseithof ist inzwischen eine Sammlung von landwirtschaftlichen Geräten wie Dreschmaschine und Erntegeräte ausgestellt. Darüber hinaus bietet der Museumshof technische Geräte zum Anfassen. Hinzu kommen Ausstellungen alter Handwerke, außerdem eine Heimatstube, in der Wohnen und Leben wie zu Omas Zeiten dargestellt werden. Darüber hinaus Brauchtums- und Traditionspflege, die Aufbewahrung von Dokumenten und Fotos sowie gelegentliche Sonderausstellungen zu landwirtschaftlichen Themen. Angemeldeten Gruppen werden praktische Vorführungen geboten, so das Buttern im hundertjährigen Butterfass mit Verkostung. Wer will kann im ausgebauten ehemaligen Kuhstall auch feiern.

Wechselvolle Geschichte

An diese vielfältige Nutzung hatten die einstigen Besitzer nicht zu denken gewagt. Die Geschichte des Hofes führt zurück bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648). Eine Urkunde aus dem Jahr 1652 beschreibt den damaligen Zustand des Dorfes. Infolge des Krieges und der Zerstörungen waren einige Häuser wüst und verwaist, andere bewohnt. Dazu gehörte das "Haus Nr. 50". Es ist das heutige Haus Am Plan 4a, in dem sich der Museumshof befindet.

Claus Bruns wohnte damals dort mit Frau und Kindern. Wegen des frühen Todes des Sohnes starb die Familie allerdings aus. Von nun an wechselten häufig die Besitzer, die in der Chronik auch alle aufgelistet werden. Zunächst gehörte das Haus Andreas Gerlach, Schwiegersohn von Claus Bruns. Mit Claus Koch (1717 bis 1762) aus Reddeber übernahm erstmals jemand mit dem Namen Koch das Haus.

Die Chronik nennt verschiedene weitere Hausbesitzer mit unterschiedlichen Namen, so Keffel und Bergmann. Die Tochter von Christoph Bergmann, der 1855 an Schweißfieber verstorben war, erbte den Hof und heiratete 1832 den Ackermann Andreas Christian Heinrich Koch. Nach dessen Tod führte sie den Hof weiter, starb aber 1917. Daraufhin stand der Hof zwei Jahre leer. Es folgten weitere Landwirte, ehe 1936 der Hof wieder an die Familie Koch ging, an den Ackermann Ernst Christian Zacharias Andreas Koch, der von 1869 bis 1947 lebte. Nach dessen Tod ging der Hof an seinen einzigen Sohn Ernst Alwin Koch, geboren am 5. Juni 1905, gestorben am 26. Juni 2000. Er machte den Hof in kürzester Zeit zum landwirtschaftlichen Spitzenbetrieb für die Produktion von Rübensamen.

Verkauf für eine Mark

1958 ging der Hof im Zuge der Kollektivierung an die LPG "Clara Zetkin" und war Bestandteil der Bullenmastanlage. Ernst Koch hingegen wurde kein Mitglied dieser Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Der Landwirt erhielt 1990 den Hof zurück. Vier Jahre später verkaufte er den "Hof Nr. 50" für eine symbolische Mark an die Stadt Wernigerode. Es sollte nach seinem Willen dort ein Museum eingerichtet werden, das Zeugnis landwirtschaftlicher Leistungsfähigkeiten ablegt und die harte Arbeit eines Landmannes dokumentiert. So geschah es auch.

Am 7. September 1995 erfolgte die Eröffnung und Namensgebung "Museumshof Ernst Koch" als Landwirtschaflichtes Museum. Ernst Koch durchschnitt damals im Beisein vieler Gäste vor dem ersten Rundgang ein blaues Band.

Es folgte die grundlegende Sanierung durch Handwerker, finanziert durch die Wernigeröder Stadtverwaltung. Dank des engagierten Engagements des am 27. Februar 1995 gegründeten Fördervereins erfolgte anschließend die Erweiterung der Ausstellungsräume.

Dort wird nun auch an die 20-jährige Geschichte des Museumshofes erinnert, dabei auch an dass Wirken des Fördervereins. Erster Vorsitzender war Georg Denecke. Seit 2006 ist Dieter Müller Chef dieser derzeit rund 40 Mitglieder zählenden Gruppe, die vor allem in Silstedt, aber auch in Wernigerode und Minsleben zu Hause sind.