Die Via Romea, ein mittelalterlicher Pilgerweg, verläuft nicht nur von Skandinavien nach Rom, sondern auch mitten durch Wernigerode. Ab Mai können sich Interessierte auf geführte Pilgerreisen begeben – zumindest auf dem Teilstück durch Sachsen-Anhalt.

Wernigerode. " Ich bin dann mal weg ", heißt es bald auch in der bunten Stadt am Harz. Dank Hape Kerkeling ist Pilgern populärer denn je. Millionen Menschen aus aller Welt begeben sich jedes Jahr auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela ( Spanien ). Dass ein im Mittelalter sehr bedeutender Pilgerweg durch Wernigerode verlief und dieser auf 1750 Kilometern Skandinavien mit Rom verband, das wissen nur wenige. Doch das soll sich bald ändern.

Harzer Volksstimme berichtete schon mehrfach von dem ehrgeizigen Projekt, jenen alten Pfad – die Via Romea – touristisch wiederzubeleben. Vertreter der 28 Orte, die in Deutschland auf der Pilgerstrecke liegen, arbeiten seit zwei Jahren an der Entwicklung, ein gemeinsamer Förderverein wurde gegründet, Teile der Route bereits dokumentiert.

Wie auch in Wernigerode. Mit Hilfe umfangreicher historischer Quellen erarbeiteten Ulrich Eichler, zuständiger Mitarbeiter der Stadtverwaltung, und einige Mitstreiter die Strecke durch Sachsen-Anhalt, von Hornburg ( Niedersachsen ) nach Nordhausen ( Thüringen ) – über Osterwieck, Wernigerode, Elbigerode und Stiege.

Diese rund 85 Kilometer lange Route soll in wenigen Monaten eingeweiht werden – zugleich der Startschuss für erste geführte Pilgerreisen. " Geführt deshalb, weil der Weg noch nicht beschildert ist ", erläutert Eichler. Vom 24. bis 30. Mai und dann noch mal vom 19. bis zum 25. September können sich Interessierte auf die Spuren des Abtes Albert von Stade begeben. Der Kirchenmann pilgerte im Jahre 1236 von Stade aus zum Papst nach Rom. Den nachfolgenden Generationen hinterließ der Abt eine detaillierte Beschreibung seiner sechsmonatigen Reise.

Als Wanderführer mit dabei sind dann auch der Historiker Dr. Thomas Dahms aus Hornburg und Margrit Hottenrott. " Dieser Weg soll etwas Besonderes sein ", sagt die Wernigeröderin, die sich im ökumenischen Arbeitskreis der Kirchen engagiert. " Als Pilger erlebt man nicht nur Natur und Kultur, sondern auch Momente der Stille – sozusagen ein Weg nach innen. " Das Schöne dabei, die Teilnehmer können auf der Route den Geist des Mittelalters erleben. Die Stephanikirche in Osterwieck, die St. Georgkirche und die Theobaldikapelle in Wernigerode standen schon zu Zeiten des Abtes Albert, waren damals Pilgerkapellen. Im Volkmarskeller ( bei Blankenburg ) lebte in jener Zeit eine alte Einsiedlerin. " Die Via Romea führt nicht an dramatischen Klippen oder am rauschenden Meer vorbei ", sagt Dr. Dahms. " Dafür offenbart sich den Pilgern aber eine reiche Kulturlandschaft, die es zu entdecken gilt. "

Für die beiden Pilgerreisen erhoffen sich die Organisatoren viele Interessenten. Nähere Informationen dazu gibt es bei der Tourismus GmbH unter Telefon ( 0 39 43 ) 3 53 78 34 und per Email unter info @ wernigerode-tourismus. de. " Dies ist zugleich ein Aufruf an die Bevölkerung, sich mit diesem Pilgerweg zu identifizieren ", wünschen sich Oberbürgermeister Peter Gaffert und Wernigerodes Tourismuschefin Erdmute Clemens.

Die nächsten Ziele sind auch schon gesteckt. So soll die Strecke durch Sachsen-Anhalt in den nächsten Monaten beschildert werden – mit dem neuen Logo der Via Romea : einem Pilgerstab.