Die Wegweiser für Wanderer in und um Wernigerode tragen eine individuelle Note. Handgeschrieben, originell verziert. Und außerdem mit Kilometerangaben. Dafür verantwortlich zeichnen sich Wegewart Herbert Riemeier und Schönschreiber Kuno Böttcher. Das Duo plant nun noch "ein Lebenswerk".

Wernigerode. Sie sind beide über 70 und haben eine Unmenge Spuren im Harz hinterlassen. Die Rede ist von Herbert Riemeier und Kuno Böttcher. Ein eingeschworenes Team, das sich seit Jahren um die Ausschilderung von Wanderwegen Verdienste erwirbt. Und sie scheinen nimmermüde zu werden, jedes Schild liebevoll zu gestalten, für neue und alte Wanderpfade.

Jetzt im Winter ist bis auf einige Kontroll-Touren überwiegend Heimarbeit angesagt. Die bevorstehende Wandersaison will bestens vorbereitet sein. "Es gibt noch einige Routen, die es verdient haben, wieder entdeckt und beschildert zu werden", sagt Herbert Riemeier. Seit 1996 ist der gebürtige Wernigeröder Wegewart im Harz-Klub. Er habe das Ehrenamt von dem leider zu früh verstorbenen Wolfgang Waldhausen übernommen. "Du kannst schreiben, dann kannst du auch Wegewart sein, hat man damals zu mir gesagt." Herbert Riemeier diskutierte nicht, er sei sowieso lieber ein Mann der Taten.

Damals hatte die Kreisverwaltung über ein ABM-Projekt alle Wanderwege erfasst und begonnen, sie neu zu beschildern. Ein guter Ansatz, die Arbeit fortzusetzen; und ein Glücksfall, im September 2004 auf Kuno Böttcher zu treffen.

Der Magdeburger zog mit Beendigung seines Berufslebens nach Wernigerode. Schon vorher war der leidenschaftliche Wanderer Stammgast im Harz und schloss sich dem Harzklub an. "Irgendwann habe ich mal kritisiert, dass die mit Hand beschrifteten Schilder fürchterlich ausse-hen", erinnert sich Kuno Böttcher. "Er hatte recht", gibt Herbert Riemeier zu. Ein Blickkontakt genügte damals, der gelernte Schriftsetzer und bekennende Schönschreiber bot seine Hilfe an. Die Partnerschaft war besiegelt.

Noch im "Alleingang" hatte Wegewart Riemeier entschieden, dass die per Computer beschrifteten Aluschilder nicht als neue Wegweiser in und um Wernigerode verwendet werden. "Sie haben kein Gesicht, sie sehen so aus wie überall." Vielmehr wollte man sich an die von Otto Plachta von Hand gestalteten Tafeln anlehnen. Und dafür erwies sich Kuno Böttcher als der richtige Mann.

Mit Einfallsreichtum verleiht er den Wegweisern eine ganz individuelle Note. "Das wird sehr gewürdigt", sagt Herbert Riemeier. Regelmäßig schreiben ihnen Wanderfreunde, wie sehr sie sich freuen, die Handschrift der Wernigeröder auf ihren Touren in den Harzwäldern entdeckt zu haben. "Geschätzt wird auch", ergänzt Kuno Böttcher, "dass wir immer so exakt die Kilometer angeben." Von Zeitangaben halten beide "gar nichts". Das sei "oft geschwindelt und demotivierend".

Wieviel Schilder sie beschriftet und an Bäumen oder Pfosten geschraubt beziehungsweise genagelt haben, wissen sie nicht. Mal sind es 130 im Jahr, mal mehr. "Ob die 500er-Marke schon überschritten ist, oder nicht, ist uns nicht wichtig", sagt Böttcher. Selbst wenn ein Schild zerschlagen oder als Andenken "mitgenommen" wird, "regen wir uns nicht auf, sondern ersetzen es durch ein neues".

In diesem Jahr will das Duo eine neue Herausforderung beginnen: Pfad für Pfad des 300 Kilometer umfassenden Wanderwegenetzes von Wernigerode, den Ortsteilen bis hoch zum Brocken, soll abgeschritten werden, um eine Schilderkartei anzufertigen. "Ja, jedes Schild bekommt eine Nummer", erklärt Herbert Riemeier. Eine komplette Übersicht der Wegweiser soll so entstehen, "für die Nachwelt", ergänzt Kuno Böttcher und lässt nicht unerwähnt: "Wir schreiben dieses Werk aber mit der Hand." Die Daten per Computer einzupflegen, das sei dann eine Aufgabe für Jüngere.

 

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