In der Serie "Neue Fassaden – alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der KoBa, befasst. Ihre Erforschung fließt in die Beschreibungen mit ein. Der Rundgang führt heute zur Mittelstraße 13.

Wernigerode. Hans-Jürgen Steimecke ist überglücklich, in einem großen ehemaligen Bauernhaus inmitten der Wernigeröder Altstadt wohnen zu können.

Im geräumigen Dachgeschoss des großen Gebäudes hat sich der gelernte Eisenbahner, der seit 1974 bei der Harzer Schmalspurbahnen GmbH arbeitet, einen Hobbybereich eingerichtet. Der 54-Jährige befasst sich zudem seit 1965 zunächst in einer Arbeitsgemeinschaft und nun in einer Interessengemeinschaft Harzer Schmalspurbahnen mit deren Geschichte. An mehreren Büchern ist Steimecke auf verschiedene Weise beteiligt.

Zusammen mit Gattin Ellen und Mutter Herta Steimecke bewohnt Hans-Jürgen Steimecke das 180 Quadratmeter große Gebäude. Das komplett ausgebaute geräumige Dachgeschoss ist bei der Wohnfläche noch nicht mitgerechnet. Dieses Gebäude ist eigentlich ein schlichter Fachwerkbau inmitten der Stadt, vor dem nur selten Touristen stehen bleiben.

"Seit zwei Jahren ist das Haus endlich fertig saniert", berichtet Hans-Jürgen Steimecke stolz und schaut dabei von seinem Arbeitsplatz auf die Nachbarhäuser. Er bewahrt, wie er sagt, "mit dem von Grund auf erneuerten großen Haus einen Schatz". Seit 1990 ist er dessen Eigentümer. Seine Mutter hatte es ihm damals übertragen.

Der an allem Historischen sehr interessierte Wernigeröder erzählt, dass er für das Haus seit 1558 ehemalige Bewohner und unterschiedliche Nutzungen nachweisen kann. Erster Bewohner sei seinerzeit ein Bodo Hünefell gewesen, dem über die Jahrhunderte Familien mit unterschiedlichsten Berufen folgten. So 1599 der Krämer Valtin Fischer, 1636 ein Bürgermeister gleichen Namens, 1744 wird von einem Brauer und Ackermann berichtet, 1817 war dort der Gärtner Christoph Blähs zu Hause, dem 1821 dessen Sohn Gottlieb Blähs, wieder ein Gärtner, und 1873 nochmals ein Gärtner namens Christian Dippe folgten. "Das Haus hat dann bis etwa 1960 der Familie Dippe gehört", so Steimecke weiter. Und: "Danach hat es Gustav Rasche übernommen und später an meine Mutter verkauft, die gegenwärtig den Erdgeschossbereich bewohnt." Der Vorbesitzer habe sich zum Verkauf entschlossen, weil er wegen auch anderer Besitzungen befürchtete, enteignet zu werden.

Nach dem Gebäude plant die Familie Steimecke in Kürze, sich der auf dem Grundstück befindlichen, seit längerem leerstehenden Scheune anzunehmen. Dort möchte sich sein Sohn ein neues Zuhause schaffen, der derzeit "überm Ölberg in Jerusalem wohnt". Mit diesen Worten bezeichnet Hans-Jürgen Steimecke ein Wernigeröder Wohnviertel nahe des Angers. Diese Bezeichnung ist wohl allen älteren Einwohnern noch ein Begriff. "Nach der Sanierung der Scheune ist dann die Familie dicht beieinander", freut sich Hans-Jürgen Steimecke schon jetzt.

Damit, so seine Hoffnung, dürfte sicher sein, dass die Seinen noch über Jahrzehnte neue Kapitel der Geschichte des Hauses Mittelstraße 13 schreiben werden.

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