Einen Blitzbesuch hat Johann Krech, Bürgermeister von Heltau, gestern seiner Partnerstadt Wernigerode abgestattet. Nach der Besichtigung der Stadtwerke wurde er mit seinem Kollegen Sorin Ionel Ghita im Rathaus empfangen.

Wernigerode. Es war nicht sein erster Besuch in der Partnerstadt Wernigerode, allerdings sein erster offizieller als Bürgermeister von Heltau (Rumänien). Johann Krech nutzte seinen kurzen Aufenthalt nicht nur für eine Stippvisite im Rathaus, wo er von Sozialdezernent Andreas Heinrich, Landrat Michael Ermrich, Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht, Ex-Oberbürgermeister Ludwig Hoffmann und Regina Grothe vom Arbeitskreis Städtepartnerschaften begrüßt wurde. Der Heltauer besichtigte außerdem mit seinem Kollegen Sorin Ionel Ghita (Bürgermeister von Draganesti-Olt) die Stadtwerke und genoss zum Ende seines Blitzbesuches die Aussicht vom Wernigeröder Schloss.

Sein Anliegen sei es, die Partnerschaft zu pflegen und weiter zu entwickeln, aber auch von der bunten Stadt am Harz zu lernen. Das dies durchaus fruchtbar ist, zeige sich derzeit an der Modernisierung des Abwassersystems in Heltau. "Als Herr Krech vor Jahren in seiner Funktion als Stadtrat bei uns zu Gast war, fragte er als erstes: Wo geht‘s hier zur Kläranlage?", erinnerte sich Ludwig Hoffmann. Hier sei er auf die Idee gekommen, wie in Wernigerode einen Zweckverband zu gründen. "Kein leichtes Unterfangen in meiner Heimat", verriet der Gast aus der Partnerstadt. "In Rumänien gibt es nicht einmal eine Übersetzung für das Wort Zweckverband." Dennoch gelang es – das Projekt erhält inzwischen sogar Fördergelder von der EU. "In ein paar Jahren werden hoffentlich einmal 400 000 Einwohner von Süd-Siebenbürgen vom neuen Abwassersystem profitieren", so Krech.

Das Stadtoberhaupt von Heltau brachte bei der Gelegenheit auch andere Probleme zur Sprache. So stehe seiner Stadt eine Gebietsreform bevor, bei der mehrere Gemeinden zusammengelegt werden sollen. Zur wirtschaftlichen Situation sagte er: "Heltau schwimmt gegen den rumänischen Negativ-trend. Wer in der Krise richtig denkt, kann sich auch weiterentwickeln." Dafür habe seine Stadt einen wichtigen Kredit aufgenommen. "Bei uns gibt es kaum Arbeitslosigkeit." Doch dies vermittle ein trügerisches Bild. "Wer eigentlich arbeitslos sein würde, sticht bei uns Spargel oder erntet Obst." An qualifizierten Arbeitern dagegen mangele es. Albrecht, Heinrich und Ermrich sicherten ihm daraufhin Unterstützung bei künftigen Projekten zu.

Da eine Städtepartnerschaft vor allem durch die Menschen der Gemeinden lebt, sollen entsprechende Kontakte geknüpft werden. Ein Anfang sei bereits getan, berichtete Regina Grothe. Nach dem Besuch einer Cheerleader-Gruppe in Heltau im vergangenen Jahr existiere seit November Briefkontakt zwischen Neuntklässlern des Stadtfeld-Gymnasiums und der 9. Klasse eines deutschen Gymnasiums in der Partnerstadt. "Die Jugendlichen lernen sich gerade kennen, Ziel sind gegenseitige Besuche und ein gemeinsames Projekt."

Einen Grund für ein baldiges Wiedersehen von Johann Krech und seinen Wernigeröder Freunden gibt es übrigens auch. "Wir haben kürzlich festgestellt, dass es noch gar keinen offiziellen Partnerschaftsvertrag gibt", so Andreas Heinrich. Es existiere lediglich eine schriftliche Willensbekundung zur Zusammenarbeit. "Das sollten wir bald nachholen, nachdem die Stadträte darüber entschieden haben." Vielleicht bei einem Besuch in Heltau.