Die Stille am Kiessee bei Wegeleben wurde jüngst durch mehrere Sprengungen jäh unterbrochen : Helfer des Halberstädter Ortsverbandes des Technischen Hilfswerkes ( THW ) nutzten den zugefrorenen See, um das gezielte Sprengen von Eisflächen zu trainieren.

Wegeleben / Halberstadt. " Achtung, Vorsicht, es wird gesprengt !" Eine Botschaft, die – mit unüberhörbaren Signaltönen untermauert – ebenso klar wie unmissverständlich ist und der Augenblicke später eine Reihe von ohrenbetäubendem Knallen und aufsteigenden Fontänen über dem Wegeleber Kiessee folgt, die bei den Männern und Frauen in den blauen THW-Overalls für sichtlich zufriedenes Lächeln sorgt. " Es hat geklappt ", nickt der Vize-Ortsbeauftragte des THW, Heiko Breithaupt und zollt den Sprengexperten des Teams Respekt und Anerkennung.

Das Ergebnis der Übungssprengung, das die THW-Helfer Augenblicke später gemeinsam mit ihren Gästen vor Ort in Augenschein nehmen und auswerten, entspricht ihren Erwartungen – zumindest fast : Die 20 Sprengladungen, die mit minimalen Zeitverzögerungen gezündet worden waren, haben eine Reihe von Löchern im Eispanzer hinterlassen. Ein Resultat, das allerdings ein Stück weit vom ursprünglichen Ziel, eine durchgehende Schneise ins dicke Eis zu brechen, abweicht. Für Heiko Breithaupt ist das nicht überraschend und durchaus plausibel zu erklären : " Mit teilweise bis zu 35 Zentimetern Dicke war das Eis fast doppelt so stark, wie die von uns erwarteten 20 Zentimeter. " In der Folge liege nun zwar ein Ergebnis vor, das Heiko Breithaupt, der THW-Sprengberechtigte Michael Behrens sowie die anwesenden Helfer der THWFachgruppe Sprengen so nicht direkt angepeilt haben – die leichte Differenz zwischen Soll und Ist hilft dem Team im Umkehrschluss aber wiederum, neue Erfahrungen rund um das Eis, die Eisdicke und die letztlich optimale Menge Sprengstoffgel zu sammeln. " Und genau das ", nickt Ortsverband-Vize Breithaupt, " ist das Ziel der Übung. Wir wollen praktische Erfahrungen sammeln, um im Ernstfall mit den Sprengungen möglichst nahe ans Ziel zu kommen. " Eigens dafür organisieren die Sprengexperten des THW-Ortsverbandes ein bis zwei Mal pro Jahr derartige Übungssprengungen. Der Kiessee bei Wegeleben ist – wenn er denn richtig zugefroren ist – ein beliebtes Übungsterrain.

Schließlich sind die Rahmenbedingungen, die Breithaupt, Behrens & Co. hier vorfinden, durchaus mit realen Aufgabenstellungen für das THW vergleichbar : Eispanzer auf Seen und Flüssen, die zu einem ungewollten Wasserstau führen, oder die Brücken, Schleusen, Deiche oder Talsperren zu beschädigen drohen und deshalb mittels Sprenggel rasch zerkleinert werden müssen.

Die Sprengungen, die die THW ‘ ler jetzt in Wegeleben geübt haben – im Wasser hängende Ladungen unterhalb des Eispanzers – sind dabei eine Möglichkeit, um buchstäblich am Eis zu kratzen. So genannte Wurfladungen, die einfach auf die Eisflächen geschleudert werden, seien eine weitere, erklärt Heiko Breithaupt.

In Wegeleben stand für die Sprengexperten also gewissermaßen die hohe Schule im Mittelpunkt. Das bedeutete für Gruppenführer Michael Behrens und sein Team zunächst einmal viel Aufwand in punkto Vorbereitungen : 20 Löcher mussten ins Eis gebohrt werden, um die Sprengladungen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Silvester-Blitzknaller haben, knapp unterhalb des Eispanzers zu platzieren. Unterstützt wurden die Helfer bei eisiger Kälte auch vom Zugtrupp und der THW-Fachgruppe Räumen aus Halberstadt. Dass die angepeilte durchgängige Schneise letztlich nicht gänzlich ins Eis gesprengt werden konnte, sieht Heiko Breithaupt gelassen : " Man kann bei Eis nie genau vorher sagen, welches Ergebnis erzielt wird ", skizziert der 30-Jährige das Problem. Eis wachse oft unterschiedlich stark auf. " Und das macht das Bestimmen der nötigen Sprengmittelmenge alles andere als einfach. "

Das Sprengen von Eisflächen war indes nur ein Thema, das die Helfer an diesem Tag in den Fokus rückten. Das Treffen vor Ort wurde auch genutzt, um weitere Einsatzoptionen für das THW und Möglichkeiten von künftiger Zusammenarbeit zu erörtern. Ortsverbands-Vize Heiko Breithaupt und der Sprengbeauftragte Michael Behrens dankten den Verantwortlichen der Kieswerk Bodetal GmbH : " Mit der Bereitstellung des Übungsgeländes haben sie uns maßgeblich bei der Ausbildung unterstützt. "

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