In diesen Tagen neigt sich in der Ilsenburger Straße die 110-jährige Geschichte des Fotopapierwerkes ihrem Ende entgegen. Die alten Fabrikgebäude werden abgerissen.

Wernigerode. Der Abrissbagger dominiert seit wenigen Tagen das Bild hinter der b+g Banse Grohmann GmbH in der Ilsenburger Straße. Die beiden größten Gebäude des ehemaligen Fotopapierwerkes werden abgerissen und schaffen Platz für neue Wohnhäuser zum altersgerechten Wohnen.

An Gründer Bergmann erinnert noch eine Villa

1901 gründete der Unternehmer Dr. Carl Bergmann an gleicher Stelle seine Fabrik. Anfangs wurden Trockenplatten und Zelloidinpapiere hergestellt. Später folgten Filme und Fotopapiere unter dem Markennamen "Beco". An Firmengründer Bergmann erinnert heute nur noch eine Villa, in die vor einigen Monaten eine Apotheke einzog. Nach Gründung der DDR wurde der VEB Fotopapierwerk Wernigerode gegründet, der 1970 dem Fotochemischen Kombinat Wolfen angegliedert wurde.

Volksmund: "Turaphot schräg gegenüber"

Nach der Wende kauften die heutigen Geschäftsführer Bernd-Dieter Banse und Dieter Grohmann die Reste des Werkes. Wurde anfangs Fotochemikalien und anderes Zubehör noch nach ganz Deutschland und in das Ausland verkauft, so änderte sich dies mit dem zunehmenden Einfluss der digitalen Fototechnik. Letztlich wurden deshalb auch die alten Fabrikhallen überflüssig.

Schön anzusehen waren die Gebäude ohnehin nicht mehr. Sie sollen in den nächsten Tagen komplett abgerissen werden. Im kommenden Frühjahr will die Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft auf dieser Fläche altersgerechte Wohnungen errichten.

So geht ein Stück Wernigeröder Industriegeschichte ihrem Ende entgegen. Digitalkameras haben weitgehend die "Knipskisten" abgelöst, statt umfangreicher Fotochemie benötigt der heutige Fotograf nur noch einen schnellen Rechner und ein gutes Bildbearbeitungsprogramm. "Richtige" Bilder liefert dann das Digitallabor seines Vertrauens.

Eines konnte aber auch der Zahn der Zeit nicht verhindern - nämlich die Tatsache, dass der einstige Fabrikname vielen Wernigerödern nach wie vor geläufig ist. So wird selbst der Standpunkt des Harz-Klinikums wird im Volksmund oft mit "bei Turaphot schräg gegenüber" beschrieben.

Ganz "tot" ist die Geschichte des Fotopapiers in Wernigerode also dennoch nicht.