Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) hat sich nach der Brandstiftung im "Cafe am Heizhaus" (wir berichteten) erstmals mit den betroffenen Jugendlichen getroffen. Dabei ging es um eine Bestandsaufnahme sowie um die weitere Perspektive des Vereins. Einer von ihm erwogenen räumlichen Zusammenlegung mit dem städtischen Jugendklub wurde dabei eine klare Absage erteilt. Der Rathauschef hatte einen Anbau an das "Cafe am Heizhaus" erwogen.

Ilsenburg. Die Nachricht von dem Brand im "Cafe am Heizhaus" bekam Sozialarbeiter Sebastian Umbach per SMS am anderen Ende der Welt: "Cafe abgebrannt" lautete eine der Mitteilungen, die ihn in der Namib-Wüste in Namibia während seines Urlaubs erreichte. Genau das hätte in jener Nacht auch leicht passieren können. Lediglich eine Feuerschutztür verhinderte Schlimmeres. Sie stoppte Flammen und Rauch zwischen der kleinen Bar und dem Sanitärbereich von dem eigentlich viel größeren Raum nebenan.

"Haus stünde ohne Brandschutztür sicher nicht mehr"

Doch dort, wo sie wüteten, ist praktisch alles komplett vernichtet, einschließlich des Inventars. Sebastian Umbach: "Ein Viertel des Jugendklubs gibt es nach der Brandstiftung praktisch nicht mehr. Dort gibt es einen Totalschaden. Ich rechne mit 30 000 bis 35 000 Euro." Fast alles, nämlich etwa 95 Prozent wird (dieses Mal noch) die Versicherung übernehmen. Etwa 5 000 Euro müssen wahrscheinlich durch Eigenleistungen aufgebracht werden. Inwieweit das bei einem etwaigen neuerlichen Feuer noch einmal so sein wird, scheint fraglich.

Wie offenbar die Polizei, hat auch er kaum Zweifel, dass nach dem gewaltsamen Herausreißen des Fenstergitters ein Brandbeschleuniger benutzt wurde.

Glück im Unglück und eigentlich ein Wunder: weder der Dachstuhl noch das eigentliche Dach wurden beschädigt. Offenbar ein Umstand, der durch das schnelle Eingreifen der Ilsenburger Feuerwehr verhindert werden konnte.

"Bargeld hätte man hier sicher nicht gefunden"

Unterdessen ist in der letzten Woche begonnen worden, den beschriebenen Bereich komplett zu entkernen. Fußboden, Decke, Isolierung: es bleibt praktisch kein Stein auf dem anderen. Selbst die Fliesen platzten als Folge der großen Hitze gleich reihenweise und müssen raus. In Stahlschränken aufbewahrte Akten, unter anderem mit Fördernachweisen, sind vernichtet. Zum Glück waren es lediglich die Kopien. Die Originale liegen in den verschiedenen Ämtern. "Selbst wenn das Motiv Diebstahl gewesen wäre, Bargeld hätte hier ganz sicher niemand gefunden, weil es nie welches gibt, was hier bleibt", so der Sozialarbeiter. Im Übrigen stellt Umbach auch ein politisches Motiv in Abrede. "In diesem Fall hätte man hier Hakenkreuze oder Parolen gefunden. Das war aber selbst im Internet nicht der Fall. Ich halte das für puren Vandalismus. Hier hat jemand den Kick gesucht." Auch, wenn ein Zustandekommen sehr unwahrscheinlich sein dürfte, signalisiert Umbach jederzeit Gesprächsbereitschaft mit dem oder den Tätern.

Am Freitagabend traf sich erstmals Bürgermeister Denis Loeffke mit den "vorübergehend heimatlos" gewordenen Jugendlichen. Bei dieser Gelegenheit informierte Umbach, dass an eine Wiedereröffnung wohl erst im Herbst zu denken sei. Aber selbst dazu wäre auch noch jede Menge Eigenleistung der Clubmitglieder vonnöten. Zudem würden dringend Sponsoren gesucht, die beim Wiederaufbau helfen könnten. Sebastian Umbach: "Wir müssen die Bar, alle Toiletten und Waschbecken sowie jede Menge Mobiliar ersetzen. Zudem suchen wir Firmen, die uns gegebenenfalls mit Baumaterial aushelfen." Loeffke empfahl, bis zum Stichtag 31. März, einen Antrag auf Unterstützung im Rahmen der Vereinsförderung zu stellen.

Nach der gescheiterten Idee eines Ringtausches, sprachen sich die Jugendlichen vehement gegen eine räumliche Zusammenlegung mit dem städtischen Jugendklub aus. Dazu wäre ein Anbau am Cafe notwendig gewesen.

   

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