Mehrere Arbeitsgruppen der CDU-Landtagsfraktion weilten gestern im Harzkreis. Während sich einige Abgeordnete im Kloster Ilsenburg, in Osterwieck und auch in Blankenburg aufhielten, verschaffte sich die AG Landesentwicklung und Verkehr, Umwelt sowie Landwirtschaft ein Bild von der Situation rund um Veckenstedt.

Veckenstedt. Auch wenn die Probleme mit dem Schichten- und Oberflächenwasser mit jenen entlang der Bode kaum vergleichbar sein dürften, klagen auch Veckenstedts Bauern über empfindliche Ertragseinbußen. Gleich drei CDU-Arbeitsgruppen wurden gestern mit diesem Thema im Nordharz konfrontiert. Sie waren nicht ohne Grund zu Gast bei der Veckenstedter Landi Agrar GmbH.

Der für die Feldwirtschaft zuständige Abteilungsleiter Lutz Brandenburger: "Auf den zehn Kilometern Ackerfläche entlang der B 6 haben wir massive Probleme mit dem Schichten- und Oberflächenwasser." In diesem Bereich seien mit dem vierspurigen Trassenbau 45 Hektar Ackerfläche versiegelt worden: "Wir konnten uns mit unseren eindringlichen Warnungen vor einem Verzicht auf Drainage seinerzeit nicht durchsetzen. Jetzt tauchen die Probleme auf, die für uns Landwirte absehbar waren. Das Wasser muss ja irgendwo hin." Wäre gestern nicht alles gefroren gewesen, "wären wir knöcheltief eingesunken", so Brandenburger gegenüber den CDU-Politikern während der Besichtigung. Unterm Strich geht es um massive Nässeschäden auf 400 der insgesamt 1600 Hektar, die die Veckenstedter bewirtschaften. Auf Nachfrage von Arbeitsgruppenleiter Frank Scheurell (Bau/Verkehr) spricht Brandenburger von Ertragsverlusten von 20 Prozent in dem betroffenen Bereich entlang der Nordharz-Autobahn.

"Oberflächenwasser hat höheren Stellenwert als DSL"

Dabei hatten die Veckenstedter mit dem Ilse-Hochwasser in diesem Winter noch riesiges Glück gehabt. Dieses hätte die Landwirte der Region noch sehr viel härter treffen können.

Brandenburger beklagte aber nicht nur den seinerzeitigen Verzicht auf die Drainage. Das sei nach seinen Beobachtungen mittlerweile landesweit durchaus üblich. Er monierte zugleich auch die stark vernachlässigten Straßengräben. Scheurell räumte unumwunden ein: "Die infrastrukturellen Aktionen der letzten Jahre fallen uns jetzt auf die Füße." Und weiter: "Das Thema des Hoch-, Oberflächen- und Grundwassers muss einen höheren Stellenwert haben als die DSL-Verkabelung." CDU-Landtagsabgeordneter Bernhard Daldrup ergänzend: "Das hängt auch damit zusammen, dass man jahrzehntelang die Eigentümer vom Eigentum entfremdete. Die unterschiedlichen Interessen müssen dringend wieder in Einklang gebracht werden." Angesichts der viel zu lange im Oberflächenwasser versinkenden Saat, sprach Brandenburger von einem "depressiven Pflanzenwachstum". Dieses Bild nahm Frank Scheurell prompt auf: "Vor dem Hintergrund ihrer sehr depressiv stimmenden Einschätzung, verspreche ich, dass wir uns dieses Problems annehmen werden."

Veckenstedts Landwirte setzen nun angesichts der empfindlichen Schäden darauf, dass das kein leeres Wahlkampfversprechen bleibt.

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