Stapelburg (rar). Mit der "Aktion Schlagbaum" an der Grenze zu Niedersachsen hat die Industriegewerkschaft "Bauen-Agrar-Umwelt" am Freitag auf die immer noch ungleiche Bezahlung in Ost und West aufmerksam gemacht. Drei Stunden wurde vor dem Hintergrund der Tarifrunde im Bauhauptgewerbe gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert. "21 Jahre nach der Wende muss ein Plan her, ab wann es eine einheitliche Bezahlung gibt. Die unzeitgemäße Tarifmauer muss endlich weg", so Ulf Hardam vom Betriebsrat der Wernigeröder Industriebau GmbH.

Es gehe in den nächsten Wochen um deutlich höhere Mindestlöhne für die Bauarbeiter. In den neuen Bundesländern liegt der bei 9,50 Euro. In den alten werden aber 10,90 Euro gezahlt. Im Osten würde auf dem Bau auch kein Unterschied zwischen gelernten und ungelernten Arbeitnehmern gemacht. Das sei im Westen ebenfalls anders: "Im Tariflohn sieht das noch viel gravierender aus", ergänzt der Rechtssekretär der Gewerkschaft, Helge Lewerenz. Man müsse sich doch gar nicht wundern, dass immer mehr junge Leute nach Niedersachsen pendeln würden oder vor dem Hintergrund des gravierenden Lohngefälles gleich wegziehen, meint Ulf Hardam: "Wenn ich nur zehn Kilometer weiter statt 9,50 Euro 12,50 Euro Tariflohn pro Stunde bekomme, warum sollte ich dann nicht lieber pendeln?"

Und während er das sagt, passieren gleich mehrere Transporter mit Bauleuten vom Westen kommend den symbolischen Schlagbaum in Richtung Sachsen-Anhalt. "Schluss mit dem Lohnwucher" steht auf einem der Plakate.

Die Gewerkschaft fordert 5,9 Prozent mehr und rechnet vor, ohne auf Neid zu setzen: der Jahresverdienst eines Baufacharbeiters im Osten beträgt etwa 200 000 Euro. Im Westen würden für den gleichen Job bei gleicher Qualität 34 000 Euro am Jahresende gezahlt. Abgesehen davon, befürchtet die Gewerkschaft mit der Erweiterung der Dienstleistungsfreiheit ab Mai, auch empfindliche Billiglohnkonkurrenz aus Osteuropa. Auch dafür fehlten noch die Regularien.