Prof. Karl Born gehört zu den meistzitierten Tourismusexperten. Er ist bekannt als Querdenker der Branche, der erfolgreich zahlreiche Innovationen initiiert hat und kein Blatt vor den Mund nimmt. Seit zehn Jahren veröffentlicht der ehemalige TUI-Vorstand und Honorarprofessor für Tourismusmanagement der Hochschule Harz eine eigene montägliche Internet-Kolumne. "Borns Bissige Bemerkungen" (BBB) sind das geliebte und oft etwas gefürchtete Pflichtfrühstück für weite Teile der Tourismusbranche. Campus-Reporterin Sissy Wagner sprach mit dem Touristiker.

Campus: Warum haben Sie sich beruflich für die Tourismusbranche entschieden?

Karl Born: Während meine Schulfreunde mit Autos und Eisenbahnen spielten, interessierten mich schon als Kind nur fremde Länder. Geografie war mein Lieblingsfach. Als Zehnjähriger habe ich ein Geografie-Quiz gegen eine komplette Klasse gewonnen.

Campus: Was sind die Höhepunkte in Ihrer Karriere?

Born: Vorstand bei TUI zu sein, war etwas Außergewöhnliches. Genauso stolz bin ich darauf, nach meinem Weggang in der Hochschullehre erfolgreich Fuß gefasst zu haben. Insgesamt ist aber die Tatsache für mich ein außergewöhnlicher Glücksfall, beruflich mit den Dingen zu tun zu haben, die einen persönlich interessieren.

Campus: Wie hat Ihre Familie Ihren beruflichen Weg unterstützt?

Born: Eine Karriere gegen die Familie machen zu wollen, kann nicht zu einem erfüllten Leben führen. Wichtig ist, dass man die Zeit mit der Familie intensiv nutzt. Ich habe darauf geachtet, die Familie auf Reisen mitzunehmen, wenn es irgendwie ging. Regelmäßige Familienurlaube, in denen der Job soweit wie möglich herausgehalten wurde, waren mir wichtig. So haben meine Töchter schon in jungen Jahren die Welt kennengelernt, und meine Familie konnte Verständnis für meine beruflichen Aufgaben entwickeln.

Campus: Ihre "bissigen Bemerkungen" feiern zehnjähriges Jubiläum. Warum haben Sie die BBB einst ins Leben gerufen?

Born: Mir fiel auf, dass sich die Studierenden zu wenig mit den aktuellen Ereignissen der Touristik beschäftigen. So entstand meine Idee, jede Woche ein Thema aufzugreifen und etwas kritische, aber auch lustige Bemerkungen dazu zu machen. Ich dachte, so wecke ich das Interesse. Inzwischen hat die Kolumne fast 10 000 Leser und wurde vor zwei Jahren mit dem Preis der deutschen Reisejournalisten ausgezeichnet. Ich werde auf Kongressen und Veranstaltungen primär auf das Thema BBB angesprochen und nicht mehr auf meine Karriere. Insofern darf ich mit meinen BBB einen dritten beruflichen Höhepunkt erleben. Wer hat schon so viel Glück im Leben?

"Karriere gegen die Familie ist nicht erfüllend"

Campus: Worauf dürfen sich Ihre Leser anlässlich des Jubeljahres freuen?

Born: Das belastet mich schon ein wenig. Alle erwarten einen Knaller, aber er ist mir noch nicht eingefallen. Ich vertraue auf den Sonntagabend zuvor. Im Stillen hoffe ich natürlich, dass mich diesmal meine Leser überraschen.

Campus: Wie sieht die Zukunft der BBB aus?

Born: Gute Frage. Vor zwei Jahren sagte ich, mit Ausgabe 500 ist Schluss. Das schien weit weg. Inzwischen bin ich bei Ausgabe 492! Eigentlich möchte ich aber noch nicht "wortbrüchig" werden.

Campus: Aktuell richten sich die Blicke der Branche auf Berlin. Die Internationale Tourismusbörse (ITB) öffnet ihre Pforten. Was leistet die Weltleitmesse?

Born: Sie gibt dem Endverbraucher einen tollen Überblick über die "schöne Welt des Reisens", aber noch wichtiger sind die beruflichen Kontakte auf der Messe. Touristikanbieter aus aller Welt treffen auf die Veranstalter der Welt. Bei keiner anderen Gelegenheit kann man in einer so kurzen Zeit so viele Verträge abschließen wie auf der ITB.

Campus: Welches ist Ihr diesjähriges ITB-Highlight?

Born: Ich bin Vorsitzender der Jury der Willy-Scharnow-Stiftung, die sich um die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter in der Reiseindustrie verdient macht. Die Verleihung der Preise für ganz außergewöhnliche Ideen auf diesem Gebiet begeistert mich jedes Jahr aufs Neue.

Campus: Welchen Beitrag leistet die Hochschule Harz für die Ausbildung zukünftiger Tourismus-Experten?

Born: Die Hochschule hat einen ausgezeichneten Ruf in der Tourismusbranche. Leute aus der Praxis bestätigen mir immer wieder, dass unsere Studenten sehr praxisnah ausgebildet werden. Wir haben unseren Auftrag als Fachhochschule erfüllt und schaffen eine nützliche Wechselbeziehung zur Wirtschaft.

Campus: Wenn Sie einmal in die Zukunft blicken: Welche Trends im Tourismus sehen Sie? Wohin entwickelt sich die Branche?

Born: Das Reisen ist ein nicht zu stillender Wunsch der Menschen. Die Reiselust ist unverändert hoch.

Die Zukunftsaussichten für die Branche sind gut. Aber die Ansprüche haben sich im Laufe der Zeit durch die Reiseerfahrung der Urlauber und die umfassenden Informationsmöglichkeiten des Internets verändert.

Die Reisenden wollen individueller betreut werden und haben neue Wünsche an die Kundenorientierung. Es ist aber auch ein Druck auf die Preise entstanden.

"Ansprüche der Urlauber haben sich verändert"

Campus: Welchen Einfluss haben politische Krisen wie in Tunesien oder Ägypten auf den Tourismus?

Born: Die Einflüsse aus Krisen wirken nur noch kurzfristig. Der reiseerfahrene Kunde erschrickt sich nicht mehr so leicht. Zumal er doch zu genau weiß, dass die täglichen Gefahren des Lebens zum Beispiel beim Autofahren größer sind als die potenziellen Gefahren im Urlaub.