In der Serie "Neue Fassaden - alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der KoBa, befasst. Ihre Erforschung fließt in die Beschreibungen mit ein. Der Rundgang führt heute zur Grünen Straße 14.

Wernigerode. Das Grundstück Grüne Straße 14 von Frank Pilz und seiner Lebensgefährtin Doris Schulze ist so klein, dass der eigene Pkw auf der Straße abgestellt werden muss - wie bei so vielen alten Häusern in der Stadt.

Von seinem Vater, der das Grundstück in den 1980er Jahren gekauft hatte, erfuhr er einst, dass ein Vorbesitzer einen Teil des ehemaligen Grundstücks beim Glücksspiel sozusagen verzockt haben soll. Nun gehören zu dem kleinen Haus mit 110 Quadratmetern Wohnfläche, die auf drei Etagen verteilt sind, nur 80 Quadratmeter Fläche bei einer Hausbreite von sechs Metern. "Aber egal, wir fühlen uns trotzdem sehr wohl", sagt das Paar übereinstimmend.

Mitte der 90er Jahre erwarb der jetzige Besitzer Frank Pilz das Haus von seinem Vater. "Es bedurfte kluger Überlegungen, um es wohnlich zu machen", so Pilz. Sein Vater hatte zu DDR-Zeiten die vorhandene Substanz so gut es ging saniert. Der jetzige Hausbesitzer hat die Arbeiten fortgesetzt. Nach und nach sind die fünf Zimmer, zwei Bäder und die Küche von Grund auf rekonstruiert und modernisiert worden beziehungsweise teilweise sogar neu entstanden. Nach der Wende hat die Familie Dach, Fenster, Fassade und Haustür erneuert. Außerdem wurde eine moderne Heizung installiert.

In dem Haus zu wohnen, das vor 1700 gebaut und, wie die Chronik berichtet, zunächst von einem Hans Lehmann genutzt wurde, verlangt einige Aufmerksamkeit. Die Raumhöhe beträgt in einigen Zimmern nicht einmal zwei Meter. Dort, wo Balken die Decken schmücken, sind es gerade mal etwa 1,80 Meter. Auch wenn dies seinen ganz eigenen Charme hat, beim Einrichten haben Frank Pilz und seine Lebensgefährtin Doris Schulze sorgfältig suchen müssen. "Möbel von der Stange eignen sich kaum", so die Erfahrung der Beiden. Deshalb sind schöne alte Möbel ausgewählt worden. Dieses Interieur ist nicht nur einzig. Es unterstreicht vor allem den urigen, gemütlichen Charakter dieses Zuhauses.

Einst von Handwerkern und Bauern bewohnt

Wie die Chronik berichtet, haben in dem Haus vorwiegend Handwerker, Arbeiter und Bauern gewohnt. So wird 1723 von dem Maurermeister Balthasar Kühne berichtet, 1829 vom Müller Friedrich Baller, dann vom Tischlermeister Heinrich Dasecke. 1848 hat in dem kleinen Haus nahe des Neustädter Marktes der Arbeitsmann Martin Heinrich Hoppe gelebt. Ihm ist ein Jahr später der Schweinehirt Heinrich Helmstedt mit seiner Frau gefolgt. Urkundlich nachweisbar sind später noch Friedrich Lambrecht und Franz Osteroth, bis das Haus in den Besitz der Familie Pilz übergegangen ist.

 

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