Wernigerode. Wie ein Speer ragen die Verbindungsteile zwischen Dampflok und Wagen aus dem historischen Waggon der Harzer Schmalspurbahnen (HSB). Etwas ratlos schaut ein Zugbegleiter an der Westerntor-Kreuzung auf die Wernigeröder Friedrichstraße. Knapp fünf Meter vor dem roten Personenwagen steht die Dampflok.

Es ist 9.10 Uhr am Dienstagmorgen. Mit sieben Wagen schnauft die Lok mit der Nummer 99 7241-5 ab dem Hauptbahnhof durch Wernigerode:Über den Altstadtkreisel, vorbei am Gebäude der ehemaligen Raabe-Schule - mit dem Brockenplateau als Ziel. Nur vier Minuten später ist die Reise für Fahrgäste, Zugbegleiter und Lokführer schon wieder vorbei. "Direkt auf der Westerntorkreuzung ist die gesamte Zugvorrichtung aus der Lok gerissen", erklärt HSB-Sprecherin Heide Baumgärtner den Vorfall.

Eine schwere Metallstange und Haken sollten das Zugfahrzeug eigentlich mit den Waggons verbinden. Da mit dem Gestänge auch die Bremsschläuche abreißen, greift das Sicherheitssystem der historischen Bahn - Zug und Wagenschlange bremsen schlagartig. Warum die Vorrichtung plötzlich mit einem lauten Knall aus der Dampflok gerissen ist, ist bislang unklar. "Ein Prüfinstitut wird den Vorfall klären. Materialermüdung können wir ausschließen", so Heide Baumgärtner. Etwa zehn Minuten nach der ungewollten Trennung zieht eine Diesellok die Waggons zurück zum Bahnhof. Heide Baumgärtner: "Die Dampflok wurde ausgetauscht und alle Gäste kamen mit einer halbstündigen Verspätung auf dem Brocken an." Dass die Verbindung zwischen Lok und Wagen reißt, sei sehr selten, aber "kann bei alter Technik nicht ausgeschlossen werden".

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