Der wilde wilde Westen fängt tatsächlich in Blankenburg an. Das haben Hunderte Närrinnen und Narren am Wochenende im Sportforum bewiesen. Ob als Cowboy und Indianer, Sheriff und Häuptling, ob als Saloon-Tänzer und Revolverheld oder gar als Pokerwürfel verkleidet: Sie erlebten an zwei Abenden ein knapp dreistündiges Programm aus Büttenreden, musikalischen Einlagen und stimmungsvollen Tänzen.

Blankenburg. Eine Augenweide dabei einmal mehr die Tänzerinnen und Tänzer der RM Balance Dance Company, die in ihren fantasievoll gestalteten Garderoben sogar einen Hauch von Las Vegas versprühten.

Das gefiel selbst Karl May, der zwar nie im Wilden Westen war. Aber so hätte er sich sicher eine zünftige Party vorgestellt. Das meinte zumindest Volker Heinold, der in der Bütt den großen Schriftsteller verkörperte. Er war sicher: Karl May wäre auch heute noch voll im Geschäft. Und zwar als Politiker. "Denn keiner konnte so schön Wahrheit und Erfundenes miteinander vermischen", meinte der "Bonanza"-Fan.

So nahm er auch die heutige Jugend aufs Korn, die sich kaum vorstellen könne, dass es zum Zeitpunkt ihrer Geburt keine Handys, kein Internet und auch kein "Wikipedia" zum Erledigen der Hausaufgaben gab. Ja nicht einmal, dass damals die Telefone eine Schnur hatten.

Beim Blankenburger Karneval wurden diesmal aber auch eingetretene Pfade verlassen. So verteilte BKV-Sheriff Holger Giemsa ungewohnt heftige Seitenhiebe auf die Lokalpolitik und die Stadtverwaltung, so dass er auch als "Häuptling scharfe Zunge" hätte auftreten können. Besonders Bürgermeister Hanns-Michael Noll bekam sein Fett weg. Er solle nicht so "rumdumeiern", hieß es. Und wenn er bei der Einweihung des neuen Kurgastzentrums wieder ins Becken springen sollte,dann doch bitte in einem Badeanzug mit Längsstreifen. Allen Eltern riet Giemsa: "Solltet ihr Kinder in der Regensteinschule haben, lasst sie nur noch mit Schirm zum Unterricht traben. Denn Geld von der Stadt gibt es mitnichten, um das marode Dach abzudichten."

Eine Premiere der ganz anderen Art gab es auf der Tanzfläche, wo der 1. Blankenburger Country Club mit Linedance-Einlagen für ausgelassene Stimmung sorgte. Als zu später Stunde die "Kavallerie" des Immenröder Fanfarenzugs einrückte, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Die Niedersachsen waren zum vierten Mal Gäste des BKV und ließen einmal mehr dafür Norddeutschlands größten Karnevalsumzug sausen. Der fand allerdings nicht etwa in Derenburg, sondern in Braunschweig statt.

   

Bilder