Der Streit über die "unzumutbare Verkehrssituation" am Tünneckenberg in Wernigerode geht in die zweite Runde. Am runden Tisch haben Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich und elf Anwohner mehrere Vorschläge heiß diskutiert.

Wernigerode. Um "möglichst transparent zu arbeiten", lud Wernigerodes Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich am Mittwochabend elf Anwohner vom Tünneckenberg ein. Ziel: gemeinsam ein "altes Problem" zu lösen. Unter den Gästen auch Klaus-Dieter Franz. Der Rentner hatte sich im Herbst an die Harzer Volksstimme gewandt, beklagte sich über drei Warnbaken, die den Verkehr vor seiner Haustür vom Fußweg weghalten sollten (wir berichteten). Nicht nur, dass die rot-weiß gestreiften Schilder die schmalen Fußwege auch für Passanten blockieren, "die Autos fahren immer noch über den Bordstein", ärgerte sich Franz am Mittwochabend erneut.

Die Verkehrssituation am Tünneckenberg beschrieb der Anwohner gemeinsam mit seinen Nachbarn als "unzumutbar". Die weniger als fünf Meter breite Straße sei zu schmal für Verkehr in beide Richtungen. Zwei Autos könnten sich zwar problemlos begegnen, mit Bussen würde es aber eng werden. "Und dann fahren die Autos einfach über den Fußweg und brettern an unseren Grundstücken vorbei", beschrieb Franz das Szenario.

Als Vorschlag empfiehlt er gemeinsam mit seinen Nachbarn eine Einbahnstraßenregelung. Seiner Meinung nach "die einzige Lösung". Gerald Fröhlich, erfreut über den konstruktiven Vorschlag, schränkte aber ein: "Wenn der Tünneckenberg Einbahnstraße wird, fällt ein Busstopp weg." Die City-Linie 3 hält derzeit am Heizhaus, Tünneckenberg und Ziegelbergsweg. Bei der Einbahnstraßenregelung würde laut HVB der Haltepunkt Tünneckenberg wegfallen. Alle Anwohner müssten bis zum Ziegelbergsweg weiterfahren.

Anwohnervorschlag vorerst auf Eis gelegt

Fröhlich: "Die Fahrgäste könnten auch erst dort zusteigen. Das wären etwa 200 Meter Fußweg mehr." Mit dieser Einschränkung wollten sich die Tünneckenberger allerdings nicht zufriedengeben, die Haltestellen sollen dort bleiben, wo sie sind. Elsbeth Tscheuschner: "In unserem Alter sind wir auf den Bus angewiesen."

Kritik an der Idee meldete zudem Renate Winkler an. Die einzige Vertreterin der Anwohner des benachbarten Ziegelbergswegs: "Dann preschen ja alle bei uns vorbei."

Und schließlich würde die Straße davon auch nicht breiter werden, denn nicht nur Busse seien ein Problem, auch an parkenden Lieferwagen sei mitunter kein Vorbeikommen. Deshalb, so Fröhlich, habe man im Herbst die Parkverbotsschilder und Baken aufgestellt. "Aber es kann doch nicht sein, dass Handwerker und Öllieferanten nicht mehr vor unserer Haustür halten können", beschwerte sich Elsbeth Tscheuschner.

Nach eineinhalbstündiger Debatte über Für und Wider der Einbahnstraße die Überraschung: Die Änderung ist (vorerst) auf Eis gelegt. Zunächst soll Gerald Fröhlich mit den Harzer Verkehrsbetrieben (HVB) klären, wie alle Haltestellen aufrechterhalten werden könnten. "Und dann wollen wir mit Ihnen und einem Vertreter der HVB sprechen", so die einhellige Meinung der Tünneckenberger.

Um die Verkehrslage und die Gemüter zu beruhigen, soll das Ordnungsamt die kritisierten Baken und Parkverbotsschilder wieder abmontieren. Zudem ist geplant, den Bereich nochmals deutlich als Tempo-30-Zone auszuweisen und drei Flächen farblich zu markieren, um das Parkplatzproblem einzudämmen.

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