In der Serie "Neue Fassaden - alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme regelmäßig historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Unser Rundgang führt heute zur Mittelstraße 12.

Wernigerode. Den letzten großen Stadtbrand hatte Wernigerode im Jahr 1847 zu überstehen. In der Nacht vom 28. zum 29. März jenes Jahres brach bei einem Backhaus in der Nähe des Westerntores ein Brand aus, der sich durch starken Westwind sehr schnell ausbreitete. Ehe die ersten Spritzen zum Einsatz kamen, brannte fast das gesamte Heideviertel. Das Gebiet umfasste die Hinterstraße, die Mittel- und die Heidestraße - einschließlich des nordwestlichen Teils der Westernstraße. Damals war auch das Wohnhaus an der Mittelstraße 12 Opfer der Flammen geworden.

Heute wohnen dort Traute und Hans-Otto Plachta, Sohn des zu DDR-Zeiten weithin bekannten Kreiswegemeisters Otto Plachta.

Das ursprüngliche Haus, das einst den Flammen zum Opfer fiel, wurde 1656 von dem Schweinehirt Heinrich Müller bewohnt, ab 1666 von Heinrich Körber. Es folgten Wilhelm Körber (1700), dann ein Jakob Meyer, der Fuhrknecht Casper Christoph Meyer (1755), der Fleischermeister Christoph Cleemann (1755), Heinrich Koch (1786), der Gärtner Ernst Heinrich Koch (1840) und dann 1857 der Maurer Friedrich Mensing. Ihm folgte mit Christian Ahrend 1862 wieder ein Maurer und dann ab 1901 der Urgroßvater des späteren Besitzers Karl Körber, der bei umfangreichen Umbauten auch den Schornstein im Inneren des Hauses begradigen ließ.

Der jetzige Hausbesitzer Hans-Otto Plachta erinnert sich, dass ihm seine Vorfahren erzählten, "der Urgroßvater hat das Haus gebaut". Er soll damals, so die Überlieferung, teilweise Abrissmaterial verwendet haben, das bei Rekonstruktionsarbeiten im Schloss anfiel und den beteiligten Handwerkern überlassen wurde.

Auch der Großvater von Hans-Otto Plachta blieb lange Zeit in dem Haus wohnen, dann die Mutter, die ihm im Jahr 1972 das Gebäude überschreiben ließ.

Bauamt nimmt Pläne wohlwollend auf

Hans-Otto Plachta, der auch in Wernigerode geboren wurde, ging nach dem Abitur zur Marine. Ende 1987 kehrte er in den Harz zurück und wurde bei der Bergsicherung in Elbingerode beschäftigt. Damals wollte er gleich in sein Elternhaus zurück. Das war gar nicht so einfach, denn das städtische Wohnungsamt hatte dort andere Mieter eingewiesen. 1988 bahnte sich schließlich eine Lösung des Problems an.

Der Hausbesitzer ließ Sanierungspläne erarbeiten, die das Wohlwollen des Bauamtes fanden. So sollte der ursprüngliche Charakter des Gebäudes erhalten bleiben - einschließlich der Verbretterung der Fachwerkfassade, wie sie lange Zeit ebenso vorhanden war, was ein Foto aus dem Jahr 1935 beweist.

Das Ehepaar Plachta wohnt gern in ihrem Haus, das sechs Meter lang ist und zehn Meter in die Tiefe reicht. Das Grundstück insgesamt ist gerade einmal 130 Quadratmeter groß und hat keine Pkw-Zufahrt, so dass das Familienauto in einer gemieteten Garage auf einem benachbarten Grundstück Unterschlupf gefunden hat. Ihr Wohnhaus verfügt jetzt über drei Räume mit Küche, Bad sowie einen für Wohnzwecke nicht ausgebauten Boden.

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