Briefmarken zu sammeln oder Bierdeckel, das ist Udo Müllers Sache nicht. Schon vom Gewicht her. Der Hasselfelder Eisenbahnfreund sammelt weit Gewichtigeres, nämlich alte Schienenstücke. Und davon hat er schon 207 Stück, sie wiegen zusammen immerhin rund zweieinhalb Tonnen.

Hasselfelde. Spielzeugeisenbahn und Lokführer sind für viele Kinder ein Traum. Für manche aber bleibt es eine lebenslange Passion und Freude. So für Udo Müller.

Der 52-jährige Lokheizer der Harzbahn ist dermaßen eisenbahnbegeistert, dass er auch in der Freizeit regelmäßig mit dem Themenkreis rund um die Bahn befasst ist. Er pflegt zum Beispiel fachkenntnisreich und liebevoll eine stillgelegte Dampflok (Nr. 99 7244-9) am Bahnhof Hasselfelde. Und er sammelt Schienenstücke.

Inzwischen hat er 207 längliche Stahlbrocken zuhause, fein schwarzglänzend lackiert, teils mit historischen Firmenstempeln aus ganz Deutschland und auch einige aus England. Die gewichtigen Stücke zieren seine starken Kellerwände und machen den Raum zu einem kleinen Museum der Industriegeschichte. War doch die Eisenbahn einst Sinnbild des Fortschritts, der industriellen Entwicklung, auch des wachsenden Wohlstandes. Rund zweieinhalb Tonnen bringen die Stücke zusammen auf die Waage, so der Sammler.

Sein älteste Schiene ist zugleich auch das Lieblingsstück für Udo Müller: Etwa 40 Zentimeter lang, bannig schwer, und mit der Aufschrift "Phönix 1868". Es stamme aus dem Raum Duisburg, weiß der Schienenmann. Aber auch die vielen anderen Gleisteile sind beeindruckend. In einigen wenigen tickt sogar eine Uhr. "Die baue ich ein, wenn ich mal ein Stück doppelt habe", so Udo Müller, "als Geschenk zum Geburtstag für Verwandte oder Freunde." Und wie kommt einer zu diesem ungewöhnlichen, ja seltsamen Hobby?

"Es ist das Interesse an der Eisenbahn, an ihrer Geschichte, die sich hier zeigt, und es sieht doch auch schön aus?!" so der Hasselfelder. Eine ähnliche Sammlung gebe es beim Freundeskreis Selketalbahn. Das weckte vor acht Jahren bei Udo Müller das Interesse, dann die Sammelleidenschaft. Und die macht auch einige Arbeit.

Denn es geht zunächst darum, Platz und stabile Aufbewahrungsmöglichkeiten für die kantigen Dinger zu schaffen. Dann vor allem darum, an die begehrten Schienenstücke überhaupt zu kommen. Sie liegen ja nicht auf der Straße, und irgendwo heraussägen darf sie natürlich auch niemand.

Mancher Zaunpfahl ist eine Schienenstück

Vielmehr gelte es, so berichtet Udo Müller, alte Gleise auf Abbaustrecken irgendwo im Land ausfindig zu machen und dann das richtige Schienenstück zu finden. Wenn dann noch ein Stempel zu sehen ist, lacht das Sammlerherz.

"Manchmal lohnt es sich, an einem Gartenzaunpfahl herunterzuschauen, da verstecken sich mitunter alte Fabrikate", weiß der Sammler. Jetzt im Frühling geht Udo Müller übrigens wieder noch öfter regelmäßig zum Bahnhof Hasselfelde. Dort pflegt er neben der Lok auch ehrenamtlich die Grünanlagen. Und nebenbei kommen dadurch auch die dortigen (intakten) Schmalspurgleise besser zur Wirkung.

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