In der Serie "Neue Fassaden - alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme regelmäßig historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Unser Rundgang führt heute zur Grünen Straße 52.

Wernigerode. Bis in das Jahr 1700 lässt sich die Geschichte des Hauses Grüne Straße 52 zurückverfolgen. Zuerst wurde das Gebäude als Wohnhaus genutzt, seit 1876 als soziale Einrichtung. Damals zog der "Waisenvater" Eduard Höpfner mit vermutlich zehn oder zwölf Waisenkindern in das große Haus. Die Kriegsnöte 1914 bis 1918 belasteten das Waisenhaus - wie alle anderen Menschen und Einrichtungen. Es war auch in der Nachkriegszeit auf Spenden angewiesen. Sehr willkommen war, dass 1921 Christian-Ernst zu Stolberg Wernigerode 15 000 Mark überwies und obendrein eine Schuld von 2200 Mark erließ.

Um aber letztlich der fürstlichen Verwaltung, die die Waisenhausstiftung unterstützte, die finanzielle Last abzunehmen, wurde ein neuer Nutzer gesucht und in dem "Verein Kinderschutz für die Provinz Sachsen" gefunden. Rückwirkend zum 1. November 1923 erfolgte die Übergabe. Zu den damals sieben Waisenkindern kamen weitere hinzu, so dass zu diesem Zeitpunkt 36 Pflege- und Waisenkinder betreut wurden. Statt des Waisenvaters kümmerten sich nun Schwestern des Diakonie-Vereins Zehlendorf um die Mädchen und Jungen. Die erste leitende Schwester war Paula Lotheisen. Sie führte diesen Dienst in erstaunlicher Dauer bis 1960. Das Wohlfahrtsamt Magdeburg bestimmte lange Zeit die Auswahl der Kinder, die im Heim in Wernigerode aufgenommen wurden, vorzugsweise Vollwaisen im schulpflichtigen Alter. Der entsprechende Vertrag war zwischen dem "Kinderschutz" als Mieter und dem Superintendenten als Vermieter abgeschlossen. So blieb das Haus auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges kirchliches Eigentum, in der Nachfolge die selbständige Stiftung Waisenhaus für die Grafschaft Wernigerode.

Das Diakonische Amt der Kirchenprovinz Magdeburg übernahm das Haus 1949, kaufte aus dem Besitztum des Kinderschutzvereins das Inventar und übernahm die zehn betreuten Kinder, die auf dem Grundstück sogar über ein eingehaustes Schwimmbecken verfügten. Um die Räumlichkeiten nun intensiver zu nutzen, wurden Kurkinder auch aus Berlin und Brandenburg auf begrenzte Zeit aufgenommen. Daraus resultierte die Neuorientierung der Einrichtung.

Herrlicher Rosengarten

Ab dem 1. Januar 1951 nannte sich das Haus Evangelisches Kindererholungsheim. Es standen 40 Betten zur Verfügung. Die staatliche Anerkennung erfolgte am 14. November 1953. Das Erholungsheim wurde in einem Turnus von vier Wochen mit Kindern belegt, die von den vier Landeskirchen der DDR kamen. Noch heute melden sich in der Einrichtung Menschen, die einst als Kinder dort eine erholsame Zeit verlebten. Zu deren schönsten Erinnerungen gehört der einstige herrliche Rosengarten, an den jetzt einige Neuanpflanzungen erinnern.

1992 wurde das Haus dem "Guten Hirten" eingegliedert, im Oktober 1993 begann der Umbau zu einer Einrichtung für 34 Erwachsene mit geistiger Behinderung. Nur zwei Monate nachdem der Neubau des Pflegeheims "Zum guten Hirten" in der Grünen Straße eingeweiht wurde, brach am 11. Dezember 1994 ein Brand aus. Sieben Menschen mussten damals mit Verbrennungen, Rauchvergiftungen und Schock ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Bevor auch die jetzigen Bewohner an den Feiern zum 150-jährigen Bestehen des "Guten Hirten" teilnehmen, die vom 29. Mai bis 3. Juni stattfinden, wollen sie in ihrem Haus "Nathusius" in der Grünen Straße noch einige Veränderungen vornehmen. Die Namensgeber Philipp von Nathusius und seine Frau Marie gelten als Begründer der Neinstedter Anstalten.

Auf Wunsch der Bewohner soll das Gelände ihres Hauses bis zum Jubiläum umfassend verschönert werden. Dazu gehört, dass in den alten Kolonnaden Liegemöglichkeiten geschaffen werden.

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