Abbenrodes einzige Einkaufsmöglichkeit drohte die endgültige Schließung. Doch jetzt gibt es mit der aus Kasachstan stammenden Tatjana Bitsch und ihrem Lebensgefährten Thomas Schubert, beide wohnen in Abbenrode, eine vielversprechende Perspektive. Sie planen an gleicher Stelle einen urigen Tante-Emma-Laden. Dieser dürfte unter dem Namen "Abbotheke" im gesamten Nordharz seinesgleichen suchen.

Abbenrode. Was sich Tatjana Bitsch (48) und ihr Lebensgefährte Thomas Schubert (51)ausgedacht haben, daran hatte vor wenigen Tagen noch niemand zu hoffen gewagt. Kaum jemand hatte im Ort daran geglaubt, dass die einzig verbliebene Einkaufsmöglichkeit nach der Kündigung des bisherigen Pächters (wir berichteten) noch zu retten gewesen wäre.

Arzt weg, Einkaufsmarkt zu: Beide Themen bestimmten monatelang die Gespräche. Insbesondere für Ältere wäre es schwierig geworden, für jeden Einkauf nach Stapelburg fahren zu müssen.

So gesehen finden sich Tatjana Bitsch und Thomas Schubert mit ihrem "Abbothekenprojekt" jetzt automatisch in der Rolle der "rettenden Engel" wieder. Sie selbst sprechen dabei von einem "Abenteuer mit kalkulierbarem Risiko", zumal ja auch die Finanzierung noch keineswegs geklärt scheint. Aber sie sind wild entschlossen und sprühen geradezu vor Energie, ihren Tante-Emma-Laden in diesem Sommer zu eröffnen.

Ein Unternehmenskonzept ist längst entwickelt und auch ein Schreiner steht bereit, die Echtholzmöbel anzufertigen. Wie das Ganze mal aussehen soll, dazu haben sich beide schon vor Monaten Anregungen im Internet geholt.

"Ein Abenteuer mit kalkulierbarem Risiko"

Wo bisher nach Meinung vieler Abbenröder und auch der beiden eher "lieblos gewerkelt" wurde, sollen sich die Kunden künftig in die Zeit zurückversetzt fühlen, wie ihre Urgroßeltern seinerzeit schon einkauften.

Tatjana Bitsch wohnt seit genau einem Jahr in Abbenrode und ist "Verkäuferin mit Leib und Seele", wie sie sagt. Sie war von dem Artikel in der Harzer Volksstimme zu diesem Thema überrascht. Ihr tat es leid, dass der Laden schließen sollte. Schon war die Idee mit der Übernahme geboren. Kurzerhand habe sie ihren Job als Verkäuferin in einem Einkaufsmarkt in Vienenburg gekündigt. In ähnlicher Weise habe sie vorher auch in Karlsruhe gearbeitet. Jetzt sucht die ehemalige Angestellte selbst einen Verkäufer, der "mit genau so viel Lust und Liebe daran geht wie ich".

Waren aus der Region soll es künftig ebenso zu kaufen geben wie frische Brötchen aus dem integrierten Backshop. Die Öffnungszeiten würden sich grundsätzlich verbessern, so Tatjana Bitsch. Sogar eine Poststelle sei bereits geneh- migt. Thomas Schubert: "Der Eröffnungstermin steht und fällt mit der Finanzierungszusage durch die Bank".

Als wahrscheinlich gilt eines der ersten Wochenenden im Juli. Demnach wäre der Laden lediglich ab Juni für vier bis fünf Wochen geschlossen. In dieser Zeit wollen die beiden Abbenröder knapp 70 000 Euro in ihr Geschäft investieren. Übrigens auch in Sicherheitstechnik, um weitere Einbrüche, wie beim Vorgänger, auszuschließen.

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