Schier unglaubliche 12 000 Kilometer wanderte ein heute 74-jähriger Sportfreund seit Beginn des Projektes "Harzer Wandernadel". Er ist der bisher einzige 10-fache Wanderkaiser und lässt 2011 nicht locker.

Elbingerode. Da hatte der Volksstimme-Reporter aber Glück: Hans-Joachim Meyer ist doch tatsächlich mal nicht wandern, sondern zu Hause.

Erst im dritten Anlauf glückt ein Treffen mit dem 74-jährigen Wandergesellen. Allerdings auch nur, weil sich Hans-Joachim Meyer bei einer Tour nach Friedrichsbrunn gerade eine Blase gelaufen hat. Quasi unfreiwillig sitzt der rüstige Senior in der Stube fest, ein eher seltener Anblick. Denn Hans-Joachim Meyer ist Wanderkaiser, aber ein einmaliger, ein zehnfacher Wanderkaiser.

"So einen emsigen Wanderer hatten wird noch nie"

"Zehn Paar Schuhe habe ich bei meinen Wanderungen zerlatscht", meint der Wanderfreund und Stempelsammler schmunzelnd. Und er habe es gern getan. Bewegung, frische Luft, die Heimat kennenlernen - Wandern sei quasi sein Lebenselixier. "Ja, es gehört schon auch eine Portion Verrücktheit dazu", räumt er mit Blick auf seine zehnfache Kaiserwürde ein. Denn dafür war es nötig, alle 222 Stempelstellen im ganzen Harzgebiet zehnmal aufzusuchen.

Das Team der Harzer-Wandernadel um Christina Grompe in Blankenburg staunt da nicht schlecht. "So einen emsigen Wanderer hatten wir noch nie", gratuliert Christina Grompe und meint: Der Elbingeröder mache dem Namen des Trägervereins der Aktion, "Gesund älter werden", alle Ehre.

Insgesamt sei er über 12 000 Kilometer tatsächlich gelaufen, rechnet Hans-Joachim Meyer vor. Dazu kämen noch die zum Teil langen Auto-Anfahrten zu entlegenen Stempelstellen wie dem Röhrigschacht in Wettelrode oder der Tränkebachhütte bei Seesen.

"Wenn Stempelstellen direkt mit dem Auto erreichbar sind, zum Beispiel am "Maaßener Gaipel" (bei Lautenthal -Red.), dann wandere ich trotzdem einen längeren Weg, denn ich fotografiere gern auch das Umfeld der Stempelstelle", berichtet Hans-Joachim Meyer.

Geboren in Dedeleben, wuchs er in Königshütte auf und kam 1964 nach Elbingerode und war lange Zeit im Wintersport aktiv. Damals habe er zum Wandern noch nicht so die rechte Lust gehabt, wie er sagt.

Erst ein Herzinfarkt zwang ihn dann 1992, sich doch mehr körperlich zu bewegen. Zunächst sei er Runden um Elbingerode gelaufen. Als 2006 dann die Wandernadel-Aktion begann, war Hans-Joachim Meyer unter den Ersten, die sich das Stempelheft holten.

Gemeinsam mit Sohn Ralf aus Darlingerode ging es ans Stempelsammeln. "Am 28. Juli 2008 war mein erstes Heft voll und damit der erste Kaisertitel erreicht", blickt der Wanderfreund zurück. Das war offenbar eine Initialzündung, seit dem folgt Heft um Heft. Praktisch jedes Vierteljahr stand der Elbingeröder in Blankenburg im Wandernadel-Büro und legte wieder alle Stempel vor. Unlängst zum zehnten Mal!

"Am 11.11.2011 möchte ich meinen 11. Kaisertitel"

"Man muss strategisch vorgehen, die Routen generalstabsmäßig planen", so Meyers Erfahrung und Tipp. Der Elbingeröder hält Kontakt zu anderen Wander-"Hoheiten" und lässt auch keinen Sonderstempel aus. "Wer gut zu Fuß ist, sollte sich zum Stempelsammeln aufraffen", rät er, "man lernt so viele unbekannte Stellen im Harz kennen".

Das neue Wanderjahr will der Wandersmann etwas ruhiger angehen, denn an seinem Haus gebe es allerhand zu tun, nicht zuletzt, weil er soviel unterwegs ist. Aber etliche Stempel sind schon im elften Heft, und sein großes Ziel ist: "Am 11. 11. 2011 möchte ich meinen 11. Kaisertitel erwandert haben", so Hans-Joachim Meyer.

Die kleine Blase am Fuß vom Weg nach Friedrichsbrunn, so wird deutlich, wird ihn da nicht aufhalten. Übrigens