Heute jähren sich gleich zwei wichtige Ereignisse der Raumfahrt: Vor 50 Jahren flog Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall, vor 30 Jahren startete die Raumfähre Columbia zum Jungfernflug. Anlass für die Harzer Volksstimme, dem Wernigeröder Harzplanetarium einen Besuch abzustatten.

Wernigerode. An den 12. April 1961 kann sich Hans Hempel gut erinnern. Auf den Tag genau vor 50 Jahren flog Juri Gagarin als erster Mensch ins All und umrundete die Erde in 108 Minuten. "Damals war ich in Leipzig, da war richtig was los", berichtet Hempel, der zu den Gründungsmitgliedern des Harzplanetariums zählt. Auf Initiative der Fachkommission Astronomie, der er angehörte, eröffnete die Stätte elf Jahre nach Gagarins Flug ins All an der Walther-Rathenau-Straße 9 in Wernigerode: am 6. Oktober 1972.

Eine aufregende Zeit. "In den Anfangsjahren hatten wir manchmal 200 Besucher pro Veranstaltung", sagt der 75-Jährige, der seit vielen Jahren die Astronomische Schulstation in der Grundschule Diesterweg ehrenamtlich betreut. Noch heute arbeitet er eng mit Dirk Kelch, dem jetzigen Hauptverantwortlichen des Observatoriums, zusammen.

Dirk Kelch ist ebenfalls Lehrer. Er unterrichtet Mathematik und Physik in der Ganztagssekundarschule Burgbreite. Das Harzplanetarium, dessen Träger die Stadt ist, leitet er seit 2008 neben seinem Beruf. Mitarbeiterin Jana Theuring unterstützt ihn bei der Öffentlichkeitsarbeit und hält den Kontakt zu Schulen und Kindertagesstätten.

"Früher war es ein riesiges Ereignis, wenn ein Shuttle gestartet ist"

Denn hauptsächlich kommen Schülergruppen zu Besichtigungen. Dreimal pro Woche schauen sich junge Astronomen den Kuppelraum mit dem Projektor "ZKP 1" an, beobachten den Sternenhimmel und lauschen Vorträgen im Seminarraum nebenan. Zusammen mit allen anderen Interessierten zählt die Einrichtung heute 2000 Besucher pro Jahr. "Das sind zugegebenermaßen weniger als früher", räumt der Planetariumschef ein. Dafür gebe es zwei einfache Gründe. Zum einen habe sich die Zahl der Schulklassen in Wernigerode fast halbiert, zum anderen lasse sich die Begeisterung, die Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall auslöste, nicht wiederholen. "Früher war es ja auch ein riesiges Ereignis, wenn ein Shuttle gestartet ist. Kein Vergleich zu heute", so Dirk Kelch.

Eingefleischten Astronomie-Fans bietet das Harzplanetarium dafür etwas ganz Besonderes an: "Wir begrüßen öfter Geburtstagsrunden bei uns. Für die Gäste bereiten wir dann den Sternenhimmel entsprechend des Datums und der Uhrzeit ihrer Geburt vor. So können sie sich mal ganz genau mit ihrem persönliches Sternbild auseinandersetzen. Das ist besonders spannend für Geburtstagskinder, die sich für Horoskope interessieren", so der Leiter.

Nächstes Jahr feiert das Haus in der Walther-Rathenau-Straße übrigens selbst runden Geburtstag. Was Dirk Kelch und Hans Hempel der Einrichtung zu ihrem 40-jährigen Bestehen wünschen? "Vor allem, dass das Gebäude erhalten bleibt", sagt Kelch. "Und vielleicht einen neuen Projektor ..." Im August erfüllt sich der Leiter des Harzplanetariums erst einmal selbst einen ganz persönlichen Traum: "Ich werde nach Florida fliegen und das NASA-Weltraumzentrum von Cape Canaveral besichtigen. Darüber werde ich zum Herbst einen Vortrag vorbereiten", verrät er.

Heute lädt Dirk Kelch anlässlich gleich zweier für die Raumfahrt bedeutender Jubiläen zu einer Präsentation ins Planetarium ein. Neben dem 50. Jahrestag von Gagarins Flug ins All mit der Wostok 1 absolvierte das erste wiederverwendbare Raumfahrzeug der NASA, das Space Shuttle Columbia, vor genau 30 Jahren seinen Jungfernflug. Darüber wird Kelch in seinem Vortrag mit dem Titel "Der Mensch erobert das Weltall: 50 Jahre Wostok 1, 30 Jahre Shuttle Columbia" sprechen. Auch um die Geschichte der derzeit auslaufenden Shuttle-Systeme soll es darin gehen. Beginn der Veranstaltung ist um 14.30 Uhr.