In der Serie "Neue Fassaden - alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme regelmäßig historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Unser Rundgang führt heute zur Burgstraße 49.

Wernigerode. Karsten Buerschaper und Boris Haut, die im Jahr 2004 das Gebäudeensemble Burgstraße 47/49/51 erworben haben, wollen ein Stück des früheren "Knauffs Hotel" wiederbeleben. Die Burgstraße 49, die von einigen älteren Wernigerödern immer noch mit der Familie Knauff in Verbindung gebracht wird, war bis zum Ersten Weltkrieg als Hotel geführt worden. Vorher, bis zum Jahr 1873, diente das Gebäude lediglich als Bierlokal.

Es soll aber so gut von den Einwohnern angenommen worden sein, dass der "Restaurateur" Karl Knauff es erweiterte und ausbaute. Nach der kriegsbedingten Schließung des Hotels wurden die Räume unterschiedlich genutzt. Auf dem Grundstück waren unter anderem eine Treibriemenfabrik und später das Stadtarchiv untergebracht. Der einstige Ballsaal wurde vor der Sanierung von einer Sportgruppe als Turnhalle genutzt.

Vorgängerbau wurde Opfer der Flammen

Mit diesem Saal haben die jetzigen Besitzer einiges vor. Sie sanieren dort seit 2006 und wollen bis Mitte dieses Jahres einen Raum für Veranstaltungen schaffen. Ein alter Prospekt aus der Zeit um 1890 inspirierte vor allem Karsten Buerschaper, diesem auf dem Hof gelegenen Gebäudeteil zu neuem Glanz zu verhelfen. Aus Hannover stammend, hatte er 1995 beim Aufbau eines Einkaufsmarktes am Stadtrand von Wernigerode geholfen. Er verliebte sich auf Anhieb in die Stadt und sah hier seine berufliche Perspektive.

Nach dem Erwerb des Grundstücks richteten Karsten Buerschaper und Boris Haut zunächst in Teilen des Erdgeschosses der beiden Häuser 47 und 49 ein Restaurant ein. Das Konzept ging allerdings nicht auf, sodass der Betreiber schließlich das Handtuch warf.

Markus Buerschaper, Sohn des Mitbesitzers, übernahm danach das Restaurant. Er verabschiedete sich aber inzwischen wegen beruflicher Überlastung wieder aus Wernigerode, sodass sein Vater das Restaurant seit Beginn dieses Jahres selbst weiterführt.

Architektonisch ist das Gebäude ein Hingucker. Der symmetrische Massivbau im Stil der Gründerzeit ersetzte das Gebäude, das beim Stadtbrand von 1751 zerstört worden war. Das Erdgeschoss teilt sich in drei breite Rundbögen auf, von der der rechte als Toreinfahrt dient. Rechts über der Toreinfahrt ist auf einem Sockel eine Eule, in Stuck gefertigt, zu sehen. Links daneben ein Fuchs. Die Fassade des Erdgeschosses schmücken zwei bildlose umrankte Plaketten.

Massivbau im Stil der Gründerzeit

Bis 1677 lassen sich dort Bewohner nachweisen, wobei der Standort schon lange auch gewerblich genutzt wird. Im Jahr 1744 ist in den Chroniken mit Wichmann Schmidt erstmals ein Branntweinbrenner erwähnt, der zweite dort ab 1796 hieß Heinrich Liborius Büchting. Es folgte 1813 der Lohgerber Daniel Friedrich Marschhausen. 1824 ist der Tierarzt Franz Benjamin Fuhst erwähnt. Nach seinem Tod 1843 wurde das Haus für "835 Reichsthaler verkauft". Für die folgenden Jahrzehnte werden unter anderem der Färbermeister Heinrich Wöltge und der Lohgerber Carl Uhlemann als Besitzer genannt. Lukullisch ging es auf diesem Grundstück erstmals 1869 zu, als der "Conditor" Franz Spilker einzog. Es folgten nach dem Fabrikbesitzer Heinrich Finke (1870) im Jahr 1873 der schon genannte Karl Knauff und 1905 der Restaurateur Ernst Salzwedel.

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