Derenburg. Manch ein unangekündigter Kontrolleur wird eher mit zwiespältigen Gefühlen betrachtet, doch wenn die Folgen des Besuchs so angenehm sind wie für die Mitarbeiter des Derenburger Hospitals St. Katharinen, dann können sie echt stolz darauf sein. "Die Überprüfung der Seniorenbetreuung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen ergab einen Wert von 1,2", erklärt Leiterin Hanna Hartmann, womit ihr Haus deutlich unter dem Landesschnitt von 1,5 liege. Doch noch erfreulicher war die Auszeichnung mit dem "Grünen Haken", wie die von der Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung (BIVA) vergebene "Urkunde für Verbraucherfreund- lichkeit" auch genannt wird. "Wir sind nun eines der 18 ausgezeichneten Altenheime von etwa 500 in ganz Sachsen-Anhalt, die überhaupt diesen Titel bekommen haben ", erläutert Hanna Hartmann die große Bedeutung.

Vorausgegangen waren der Ehrung stundenlange Befragungen der 50 Senioren in dem alten Backsteinhaus und den daran angeschlossenen Wohnbereichen. "Was die alles wissen wollten?", staunte auch Elfi Schulz, die als Heimbeiratsvorsitzende die wichtigste Ansprechpartnerin für die Bewertungsgruppen war. Doch die Eindrücke, die sie vermitteln konnte, überzeugten auch die kritischen Gäste. Unter anderem die individuelle Verpflegung von der hauseigenen Küche. Vom ersten Frühstück an bis hin zum "Spätstück", wie es die Derenburger nennen, wird das Menü nach den Wünschen der 50 Frauen und Männer zusammengestellt. Insgesamt 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich für das Wohl der Rentner. "Alle sind fest angestellt", betont Hanna Hartmann, und leitet daraus auch "die gute Teamarbeit" ab. Mit einem vielfältigen Freizeit- und Beschäftigungsprogramm, "und das von Montag bis Sonntag", so die Chefin, komme nie Langeweile auf. Ob Singen, Spielen, Tanzen, Basteln oder Gymnastik, das macht den Senioren ebenso viel Spaß, wie das tägliche Zeitungsstudium oder Grillabende und gemütliche Stunden am Kamin. Der Betsaal, dem bleiverglaste Fenster ein würdevolles Ambiente verleihen, diene nicht nur für die regelmäßig stattfindenden evangelischen und katholischen Gottesdienste. In ihm werden auch traditionelle Feste, wie Rosenmontag, Erdbeerfest, Adventskonzerte und Silvester gefeiert.

Überhaupt weht im St. Katharinen Hospital, das zum Diakonischen Werk der Kirchenprovinz Sachsen gehört, ein Hauch von langer Geschichte, durchziehen Fachwerkbalken die Flure und Treppenhäuser und dekorieren fast nostalgische Möbel das Haus. "Weil es als Einzeldenkmal gilt, gibt es aber auch bauliche Einschränkungen", weiß Hartmann. Zwar wurde das heutige Backsteingebäude erst Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, allerdings gab es an dieser Stelle schon viel früher ein Hospital, um "für alte und arme Leute aus Derenburg und Danstedt Unterkunft und Versorgung bereit zu stellen", wie es eine Urkunde von 1282 bestätigt.

Längst wurden die Zimmer aber saniert und modernisiert und behinderten- und seniorengerecht mit eigener Dusche und WC ausgestattet.

"Ein Verweilen wird sicher zu einem Genuss"

Als weiterer Vorteil für die Bewohner gilt die schöne Lage am Ortsrand, mit direkter Anbindung an die Natur und den benachbarten Wald. Doch auch der Innenhof erstrahlt das ganze Jahr in frischem Grün und bunten Farben der Blumen, dass "ein Verweilen sicher zum Genuss wird", meinen die fleißigen und nun "ausgezeichneten" Helfer.

Mit der immerhin von der Selbsthilfeorganisation für Heimbewohner ausgesprochenen Ehrung, bei der es um die Sicherung von Lebensqualität im Alter geht, könnte sich die gute Qualität weiter herumsprechen als nur in der Region, aus der die meisten stammen. Dann dürfte die vorhandene Warteliste für künftige Bewohner sogar noch länger werden.

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