Die als rauflustiges Völkchen verschrieenen Wikinger haben am Wochenende wieder auf der Burg Regenstein gelagert. Und zeigten sich dort bereits zum siebten Mal als äußerst friedliebende Gastgeber.

Blankenburg. Ob "Wolfsvolk", "Allskonar" oder "Solheimsippe" - die Namen der verschiedenen Gruppen klingen genauso sonderbar, wie die Vornamen ihrer Mitglieder. Auch die Kleidung ist stark an das Wesen der Wikingerzeit angelehnt. Das trifft allerdings nicht immer auf jene geschichtsinteressierten Besucher zu, die sich ebenfalls in passende Roben gezwängt haben. "Da ist alles vertreten, was irgendwie in Richtung Mittelalter geht", stellen die vornehm als Kaufleute gekleideten Wikinger "Wolgar" und "Rodar" fest, deren Namen sich an ihren eigentlichen Wolfgang und Robert orientieren. Der eine aus Goslar, der andere aus Groß-Gerau, besuchen sie an vielen Wochenenden mit Gleichgesinnten solche Veranstaltungen zur gemeinsamen Pflege ihres Hobbys.

Auch wenn das Erscheinen der Wikinger im Harz zumindest historisch nicht der Wahrheit entspricht, weil diese eher von der See aus oder über große Flüsse die Landstriche eroberten, so finden sie dafür am Regenstein ein tolles Ambiente. Das loben auch viele der Mitwirkenden. Diese haben im weitläufigen Areal ihre Zelte aufgeschlagen, leben das ganze Wochenende nach alten Bräuchen und erfreuen zugleich viele Gäste aus nah und fern mit ihren Auftritten. Im Lager herrscht noch die traditionelle Aufgabenverteilung: Die Frauen kochen das Essen im Kessel am offenen Feuer oder flicken die Hemden. Die Männer erholen sich von den Kämpfen gegen die Feinde des Stammes, was sie auf dem Regenstein bei Fehden mit Schwertern oder Hölzern untereinander demonstrieren.

"Ein wundervoller Ausgleich zum täglichen Leben"

Dass dies erstaunlich perfekt aussieht, erstaunt umso mehr, da sich die gestandenen Mannsbilder nur gelegentlich zum Üben treffen, wie beispielsweise die Kämpfer vom "Wolfvolk" aus Sachsen wissen. "Wir wohnen in unterschiedlichen Orten, sind beruflich eingespannt und haben deshalb nur begrenzte Kapazitäten dafür ", erzählen sie. Ob Fahrzeugspezialist "Einar" (René Lauckner), Schmied "Hjalmar" (Benjamin Ehrhardt) oder Sozialpädagoge "Ragnar" (Jörg Baumann), für sie ist die Beschäftigung zur Vorbereitung der etwa fünf bis zehn Lager pro Jahr "ein wundervoller Ausgleich zum täglichen Leben", was auch "Tyra" (Vera Bartels) bestätigt - die gute Seele der Gruppe.

Dass dieses Hobby keine Frage des Alters ist, beweisen "Allskonar", die Gruppe mit jüngeren Fans des Wikingerlebens. Im normalen Leben gerade bei den Abiturprüfungen oder in der Ausbildung, haben sie sich alten Handwerkstechniken, wie Brettchenweben, Nadelbinden oder Knochenschnitzen verschrieben. Mühsam sortiert "Myrunt Aestridsdottir", die eigentlich Lisa Behrens heißt, die einzelnen Fäden, um daraus eine Borte zu fertigen. "Irgendwann hat uns das begeistert", möchten sie die gemeinsamen Lager inzwischen nicht mehr missen. "Auch aus Kostengründen machen wir vieles von der Ausrüstung in mühevoller Handarbeit selbst", betont sie. Mit dem Verkauf der schönen Produkte wird das Geld dafür erwirtschaftet.

Eine schöne Ablenkung zum Lagerleben und den Kämpfen ist die Musik der Gruppe "Fabula". Der rhythmische Klang von Trommeln und Dudelsäcken versetzt so manches Bein in Schwung. Mehrere davon gehören zu einer aus altem Wikingerland angereisten Familie aus dem schleswig-holsteinischen Büsum. Die jungen Töchter Lara (7) und Lenya (4) samt Mutter beweisen dabei auch, dass der Schwerterkampf längst von emanzipierten Damen bestritten werden kann.

Die Dämmerung bricht herein. Und der Schein der Fackeln verwandelt die Burgruine in ein Flammenmeer - mit kleinem Osterfeuer und allerlei Kurzweil. Während die Schnitzer, Kettner, Perlendreher, Schmiede und Töpfer ihr Handwerk eingestellt haben, bekommen die Fladenbäcker und Met-Ausschenker alle Hände voll zu tun. Sänger und Erzähler becircen die holde Weiblichkeit und erwecken bei manchen Gästen den Traum vom eigenen Leben in dieser Zeit.

 

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