Die gute Nachricht zuerst: Während die Nation unter den stetig steigenden Spritpreisen stöhnt, bieten die Stadtwerke Wernigerode, Hochschule Harz und Siemens AG kostenlose Tankfüllungen für Kraftfahrer an. Die Sache hat allerdings einen Haken.

Wernigerode. \'Ranfahren, Zapfpistole einstecken, tanken. Und das alles völlig kostenlos. Klingt wie ein Traum? Nicht unbedingt. Ein Forschungsprojekt von Siemens AG, der Regenerativen Modellregion Harz, Hochschule Harz und den Stadtwerken Wernigerode lassen den Traum Wirklichkeit werden.

Hochschuldozentin Dr. Ute Urban gehört zu den ersten Profiteuren der Aktion. Seit einigen Wochen tankt sie ihren roten Audi nur noch an der Hochschul-Bibliothek in Hasserode. Und zwar, ohne einen Cent dafür zu zahlen.

Einen Haken hat allerdings das traumhafte Angebot: Geldbeutelschonend den Durst seines Autos löschen kann nur, wer ein Elektroauto sein Eigen nennt. Denn statt Super oder Diesel fließt Strom aus der Zapfpistole; und der ist sogar grün. "Die Station wird ausschließlich mit Strom versorgt, der im Wasserkraftwerk "Steinerne Renne" erzeugt wird. Das ist eine der Grundideen dieses Projekts", erläutert Ute Urban. Umweltfreundlich sei ein E-Auto nämlich nur dann, wenn der "Sprit" auch regenerativ, also nicht beispielsweise in einem Kohlekraftwerk hergestellt wird. Neben der Tankstelle an der Papierfabrik können Elektro-Autos derzeit auch in Dardesheim und Osterwieck geladen werden, Halberstadt und Quedlinburg wollen nachziehen. "Ein vergleichsweise dichtes Tankstellennetz", sagt Urban. Selbst, wenn sich mal keine Tankstelle in der Nähe befindet, brauchen Fahrer auf Energie nicht zu verzichten. "Elektroautos brauchen keine Tankstelle, das Fahrzeug kann auch zuhause an die Dose geklemmt werden", so Ute Urban.

Da die Kommunikation zwischen dem E-Audi und der Zapfsäule noch nicht einwandfrei funktioniere, müsse sie auf eine handelsübliche Steckverbindung zurückgreifen. Dabei liegt im Kofferraum ein Kraftstromkabel parat. "Damit wäre das Auto innerhalb von zwei Stunden vollgetankt. Mit dem ¿normalen\' Kabel dauert es hingegen bis zu acht Stunden."

Doch welcher Autofahrer würde angesichts des Spritpreis-Schocks an den Tankstellen nicht dieses Manko in Kauf nehmen? Zumal E-Autos noch weitere Vorteile mit sich bringen. Statt eines Ottomotors arbeitet unter der Haube ein Elektroantrieb, der seine Kraft aus großen Lithium-Ionen-Akkus schöpft. "Anders als bei Benzinern, steht beim Elektroauto sofort die gesamte Leistung zur Verfügung."

"Volle Leistung steht sofort zur Verfügung"

Der A 2 hat ein Schaltgetriebe. "Ich starte mit dem zweiten Gang und kann diesen bis Tempo 70 durchfahren." Im vierten Gang bringt es der Viersitzer auf eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde. "Nicht weltbewegend, aber ausreichend." Und dabei gibt das Auto auch bei Volllast nicht mehr als ein Flüstern von sich.

Am heutigen Donnerstag soll das Forschungsprojekt offiziell gestartet werden - vielleicht sogar mit der Kraftstromversorgung für Ute Urbans roten Öko-Flitzer. Siemens könnte zwar im Juli aus dem gemeinsamen Projekt aussteigen, doch Wernigerodes Stadtwerke-Chef Steffen Meinecke verspricht: "Wenn Siemens die Säule abbaut, sorgen wir umgehend für Ersatz."

Nach Auskunft der Kommunalen Datenverarbeitung Oldenburg sind im Harzkreis derzeit 40 Fahrzeuge mit Elektroantrieb registriert. Neben dem Hochschul-"E-Renner" setzt auch die Wernigeröder Stadtverwaltung auf einen "Stromer".