Ilsenburg (rar). Der Volksstimme-Beitrag "Beim Europa-Radweg nutzen 98 Prozent den Westwind" hat gleich mehrfach zu Reaktionen aus dem Nordharz geführt. Dabei ging es neben einer verbesserungswürdigen Ausschilderung auch darum, die Verweildauer der Radtouristen auf zwei bis drei Tage zu erhöhen.

Die Intention sei aus touristischer Sicht sicher gut und nachvollziehbar, sagt die Ilsenburgerin Renate Försterling. Sie ist seit Jahren Mitglied der Nordic-Walking-Gruppe des hiesigen Kneipp-Vereins. Allerdings gäbe es dann auch noch in ganz anderer Hinsicht akuten Handlungsbedarf, äußert sie. So sei der Fernrad-Wanderweg "R1" zwischen Eckertal und Ilsenburg für Radfahrer stellenweise lebensgefährlich. Dort sei zwar während der vergangenen Tage aufgeschottert, aber der Waldweg entlang der Grenze zum Nationalpark nicht verfestigt worden. Der Regen in dieses Tagen habe das Material einigermaßen gut verteilt und die Situation vorübergehend etwas entschärft. Aber schon in wenigen Wochen dürfte sich der alte Zustand wieder von selbst hergestellt haben.

"Wir sind zwar keine Zimperlieschen und wollen mitten im Wald keinen Boulevard, aber dieser Zustand ist eine Zumutung und gefährlich", meint Renate Försterling. "Wir als Walker können die kritischen Stellen umgehen. Aber Radfahrer, die völlig unvermittelt auf abschüssiger Strecke plötzlich in ein Schotterbett fahren, könnten schwer stürzen", kritisiert sie.

"Bin selbst schon gehörig ins Schleudern geraten"

Hunderte dürften diesen internationalen Radweg allein über Ostern genutzt haben. Wenn es sich doch aber schon um die ersten Meter auf sachsen-anhaltischem Boden handelt, sollte der Zustand schon deutlich verbessert werden. Renate Försterling: "Ich glaube, dass der Chef der Tourismus GmbH, Frank M. Glitsch, hier noch nie mit dem Rad unterwegs war. Andernfalls hätte ihm das auffallen müssen."

Schützenhilfe bekommt die Ilsenburgerin vom Bad Harzburger Detlef Müller (67): "Ich fahre hier am Jungborn und auf dem R1 nahezu täglich. So wie er jetzt ist, kann er auf keinen Fall bleiben. Da müsste dringend etwas verbessert werden. Gerade das Geröll ist für die Radfahrer ein großes Problem, vor allem, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. So bin ich hier selbst schon gehörig ins Schleudern geraten."

Die Nordic Walking-Gruppe des Ilsenburger Kneipp-Vereins trainiert dreimal wöchentlich auf dem "R1". Auch Trainerin Dr. Evelyn Ungethüm hat ihre "Schützlinge" längst vorgewarnt. Tenor: Der "R1" sollte nach Möglichkeit nur in Richtung Ilsenburg, also bergauf, genutzt werden. Da hätte man die größeren Chancen, die Schwachstellen rechtzeitig zu erkennen und ihnen auszuweichen.

Die Nordic-Walking-Gruppe trainiert übrigens montags ab 11, donnerstags ab 17 Uhr sowie an allen Sonnabenden um 9 Uhr. Treffpunkt ist jeweils hinter der Gartensparte "Am Wienberg".

 

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