Schönstes Frühlingswetter lockte zahlreiche Fahrradfreunde zum Anradeln nach Michaelstein. Doch einige Weitgereiste waren gefrustet.

Blankenburg. Wolfgang Schramm aus Magdeburg konnte seine Enttäuschung nur bedingt verbergen. "Der Lokführerstreik hat unsere Pläne mächtig durcheinander gebracht." Eigentlich wollte der stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) von Sachsen-Anhalt mit der Bahn bis Thale durchfahren, um von dort mit Gleichgesinnten zur Sternfahrt zum Kloster Michelstein aufzubrechen. Doch der Schienenersatzverkehr war nicht auf den Transport der Räder eingestellt. "Also haben wir uns von Halberstadt aus auf den Weg gemacht", musste er kurzfristig umdisponieren.

Fast hätte er sogar eine Verbindung zum Propheten Hesekiel herstellen können, den Pfarrer Christoph Carstens vom Kloster Drübeck zum Ausgangspunkt seiner Predigt gemacht hatte: "Ich will die Verlorengegangenen suchen und die Versprengten zurückbringen." In seiner Predigt assoziierte er das Bild des Lebens nach Regeln und Normen, die auch einmal überschritten würden. "Keiner ist perfekt", sprach er sogar aus eigener Erfahrung. Aber wichtig sei es, wieder zurückzufinden. Er verglich das mit einem Drachen. "Der Wind wird als Kraft zum Vorankommen benötigt." Der Faden würde Halt verleihen, doch wenn er reiße, dann würde man fortgeweht wie ein Blatt im Wind. Wohl weniger passend flogen während dieser Zeit die Werbezettel sogar bis zum Posaunenchor der Blankenburger Kirchengemeinde unter Leitung von Kantor Jürgen Opfermann. Dieser hatte die musikalische Gestaltung übernommen.

Doch zum Glück fanden zumindest etwa 40 Radfahrer bei der Sternfahrt zur Saisoneröffnung des Europaradwegs R1 den Weg bis zur Radwegekirche in Michaelstein. Auch wenn die Veranstalter - ADFC, die Service-Stelle der Euroroute in Sachsen-Anhalt, die Stiftung Kloster Michaelstein sowie die Blankenburger Kirche am Markt - verschiedene Startpunkte wie Ilsenburg, Halberstadt, Thale und Wernigerode, für gemeinsame Sternfahrten ausgeschrieben hatten, zog es doch der größere Teil der Aktiven vor, sich lieber den Weg dorthin selbst zu suchen. Michael Asche aus Bad Harzburg beispielsweise, machte sich allein auf die etwa 35 Kilometer lange Tour zum Innenhof des Klosters. "Ich habe es in der Zeitung gelesen", erzählte er. Unterdessen waren seine Eltern mit dem gleichen Ziel unterwegs, allerdings im Auto. Einzig die Frage nach dem Rückweg blieb nach dem Gottesdienst offen. Während die Eltern diesen über die Harzberge nebst der Einkehr an einer Gulaschkanone zurücklegen wollten, konnte sich der Junior nicht recht entscheiden.

Auch ein Pärchen aus Wernigerode meinte bei einem gemütlichen Schwätzchen nicht zum Tempo eines einzelnen älteren Herrn zu passen. Sie ließen auch keinen Zweifel aufkommen und behaupteten: "Wir nutzen doch ein Tandem, damit sind wir viel schneller als er."

Der Hausmeister hilft

In Blankenburg wurde 2009 die erste Radwegekirche auf dem Europaradweg R1 geweiht. "Sie ist zu den Zeiten geöffnet, wenn üblicherweise Radfahrer unterwegs sind", erklärte Martina Michel vom Kloster. "Genau vor einem Jahr folgte das Kloster Drübeck", ergänzte Christoph Carstens und erinnerte sich an die Weihe kurz vor dem Start nach Blankenburg. Er bezeichnet die Öffnung der Kirchen entlang der Route als "ein Angebot für die Touristen." Zusätzlich sei Drübeck zur Radwegkirche auch als Servicestation ernannt worden, weil im Notfall der Hausmeister helfen könne.

Horst Küttler aus Halberstadt, der sich in der Region um den R1-Weg kümmert, wünscht sich noch mehr Werbung für die Route. "Gerade kleinere Abstecher vom Weg zu Sehenswürdigkeiten wie in Quedlinburg machen die Touren noch interessanter", sagte er und verwies auf bisher zu wenig erschlossene Möglichkeiten.

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