Wann eigentlich ist das Alter vorbei, da man oder besser Frau mit Puppen spielen sollte? "Eigentlich nie!", meint jedenfalls die 67-jährige Danstedterin Karin Spielmann aus vollster Überzeugung. Im Schaufenster der ehemaligen Fleischerei in der Büchenstraße stellt sie ihre über 30 Puppen aus. Sie lässt damit Mütter mit ihren Kindern an dem etwas altersuntypischen Hobby teilhaben.

Danstedt. Was dem Mann die Spielzeugeisenbahn, ist mancher Frau offenbar die Puppensammlung. Die Danstedterin Karin Spielmann steht nicht nur auf Puppen. Sie streift über Trödelmärkte und oft kann sie dann allem widerstehen, außer der Versuchung. Sie sucht gezielt nach diesem Kinderspielzeug und allem, was dazu gehört. Meist werden die Vorgängerinnen der Barbie später zu Hause bestrickt. Die Kleinsten sind gerademal daumengroß.

Doch damit nicht genug. Neben dem Wohnhaus ihres Großvaters Hermann Körber in der Büchenstraße befand sich bis 1997 die alte Fleischerei. Auch eine Gärtnerei, der "Konsum" sowie ein Bäcker hatten dort vorübergehend ihr Domizil. In den hinteren Räumen des massiven Schuppens duftet es bis heute noch verlockend nach der Räucherware des Fleischers. Der kleine Verkaufsraum zur Straße ist hingegen leer - wären da nicht die über 30 ausgestellten Puppen jener Frau, die 67-jährig zufälligerweise auch noch "Spielmann" heißt.

"Ich habe schon immer was für Puppen und alten Trödel übrig gehabt", meint die jetzige Rentnerin und ehemalige Verkäuferin. Aber sie wollte die Jalousie des Schaufensters nicht einfach ständig unten lassen. So habe sich das mit der kleinen Puppenausstellung nach und nach ergeben. Unterdessen bringt die Verwandt- oder Nachbarschaft auch schon mal die eine oder andere Püppi vorbei.

"Ich hatte schon immer was für alten Trödelkram übrig"

Platz dafür ist in dem winzigen Raum, in dem einst die Würste über die Theke gingen, noch reichlich vorhanden. Stolz verweist die Danstedterin auf eine der größten Puppen: "Diese ist von 1954. Die hatte ich bekommen als ich 10 Jahre alt wurde." Der blaue Puppenstuhl soll bereits über 100 Jahre alt sein, ist Karin Spielmann überzeugt. Zum Teil waren die Püppchen jahrzehntelang im Besitz der Verwandtschaft und kamen so nach und nach wieder zurück zu ihr. Je nach Jahreszeit wird dann auch schon mal weihnachtlich oder österlich umdekoriert.

Karin Spielmann ist in dem Haus groß geworden. "Der Platz vor dem Schaufenster, war immer die Zentrale" erinnert sie sich. Weil ein Stück davon gut gepflastert war, wurde Huckekasten gespielt und stets herumgetobt. An der Stelle parken heute fast immer Autos. Aber Platz, um einen neugierigen Blick auf die Puppen im Schaufenster zu werfen, ist immer. Für Karin Spielmann auch ein Stück ihrer Kindheit - hinter Glas.

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