Mit einer überraschend verlesenen Erklärung begann Ilsenburgs Stadtratssitzung am Dienstagabend in der Harzlandhalle. SPD-Fraktionsvorsitzender Wilfried Obermüller verlas in Abwesenheit seines schwer erkrankten Parteigenossen Dr. Joachim Dähnn dessen Nachricht, sich aus der Politik zurückzuziehen.

Ilsenburg. SPD-Stadtratsmitglied Dr. Joachim Dähnn (77) war selbst nicht anwesend. So verlas Fraktionsvorsitzender Wilfried Obermüller gleich zu Beginn der Sitzung in der Harzlandhalle die persönliche Verzichtserklärung auf das Mandat des schwer Erkrankten. "Ich danke meinen Wählern, die mir über viele Jahre großes Vertrauen entgegengebracht haben, so dass ich mehr als 20 Jahre für sie als Stadtrat für die Stadt Ilsenburg tätig sein durfte. Ich habe das gern getan und mich bemüht, meine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen. Ungern gebe ich mein Mandat zurück. Aber meine Erkrankung lässt mir keine andere Wahl."

Den Zeitpunkt seines Rücktritts habe er bewusst gewählt. Joachim Dähnn wünschte allen Stadträten bei allen weiteren Entscheidungen "eine stets glückliche Hand". Damit besteht Ilsenburgs zweitstärkste Fraktion vorübergehend nur noch aus sechs, statt der bisherigen sieben SPD-Ratsmitglieder.

"Schulgebäude wird als sehr geeignet empfunden"

Danach informierte Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) über aktuelle Themen. Dazu zählte unter anderem die Entscheidung der Kreisverwaltung über die Bewilligung von 40 000 Euro für die Sanierung des Sportplatzes am Eichholz. Dort hat man mittlerweile das Spielfeld um elf Meter in Richtung des Wäldchens nach Osten verlegt.

Dadurch rückt die Mitte des Spielfeldes zentriert vor die ebenfalls neu gestalteten Tribünenplätze. Dabei wurde auch die Möglichkeit für einen späteren Kunstrasentrainingsplatz, nahe des Eingangsbereichs, geschaffen. Wie erst gestern während der turnusmäßigen Bauberatung vor Ort entschieden wurde, soll der Platz in diesem Jahr nicht mehr bespielt werden, um den neuen Rasen zu schonen.

Für die lange gesuchte Nachnutzung der alten Ilsenburger Grundschule habe sich während der vergangenen Wochen eine neue Variante ergeben. Durch den faktischen Neubau der Pestalozzi-Schule in Wernigerode hat sich der Bedarf ergeben, einen Teil der Schüler in Ilsenburg unterzubringen.

Das Gebäude von der Schulleitung sei als "sehr geeignet empfunden", so Loeffke mit Hinweis auf den Nebeneffekt, dass sich damit künftig sogar Mieteinnahmen erzielen lassen. Im letzten Winter waren in dem monatelang leer stehenden Haus bereits Frostschäden entstanden.

Ungeachtet intensiver Verhandlungen zwischen der Stadt und der Telekom sei es gelungen, einen Kompromiss zu finden. Das betrifft die ursprünglich erwogene Demontage zweier öffentlicher Telefonzellen. Während jene am Bahnhof bestehen bleibt, werde eine zweite am Blochhauer nun definitiv abgebaut. Die Telekom verwies zur Begründung auf das offensichtliche Desinteresse. Dort, wie auch am Bahnhof, seien über Jahre praktisch keinerlei Einnahmen erzielt worden.

Neu ist auch eine Offerte der im Verwaltungsgebäude befindlichen Polizeistation. Da diese oft nicht besetzt ist, besteht in dringenden Fällen ab sofort die Möglichkeit, sich über eine Notruftaste direkt mit der Polizei verbinden zu lassen. Das sei rund um die Uhr möglich.

"Güterschuppen ist künftig Heimstatt des Heimatvereins"

Erfreulich zudem, dass sich auch für einen Teil des ungenutzten Güterschuppens am Bahnhof ein Nachnutzer gefunden habe. "Das wird künftig die Heimstatt des Ilsenburger Heimatvereins werden", so der Bürgermeister abschließend.

In der Abstimmung setzten sich die Ratsmitglieder nach kontroverser Diskussion mehrheitlich durch: grünes Licht für Drübecks Friedhofsanierung. Zuvor hatte nicht nur Ortsbürgermeister Günter Abel dafür für ein leidenschaftliches Plädoyer abgegeben.