Die Freiwillige Feuerwehr Drübeck feiert heute mit einem Tag der Offenen Tür ihr 100-jähriges Bestehen. Beginn ist um 14 Uhr am Gerätehaus. Zum Auftakt gibt es einen Festempfang (Harzer Volksstimme berichtete). Der dienstälteste Aktive ist Sepp Fuchs.

Drübeck. Das Leben von Sepp Fuchs ist untrennbar mit der Arbeit der Feuerwehr verbunden. Jahrzehntelang hat sie auf die eine oder andere Art und Weise den Alltag des 72-Jährigen bestimmt und damit zwangsläufig auch jenen seiner Familie.

Nach dem ersten Bombenangriff auf Magdeburg ist Sepp Fuchs 1944 mit seiner Mutter evakuiert worden und nach Ilsenburg umgezogen. Sein Vater war bereits gefallen.

Als es eines Nachts im Nachbarhaus in der Wienbergstraße brennt, ist der damals neunjährige Junge nachhaltig beeindruckt. Die Mutter kann ihren Schützling gerade noch so davon abhalten, sofort Brandschützer zu werden. Er soll erst ausgelernt haben. Bei einem späteren Scheunenbrand am Mahrholzberg gibt es für den mittlerweile 16-Jährigen aber kein Halten mehr.

Unmittelbar danach, nämlich am 1. April, spricht er bei der Feuerwehr vor und ist fortan Brandschützer. Dass der Dienst hart werden würde, entnimmt er aus einer Äußerung eines gestandenen Kameraden. "Wir brauchen aber keine Straßensänger, sondern aktive Feuerwehrleute, die mehr machen als Schaum", gibt Sepp Fuchs die Worte wieder. Genau das soll sich auch bewahrheiten. Anfänglich und als "Ungelernter" reicht sein damaliger Wirkungsgrad vom Löschfahrzeug bis zum sogenannten Verteilungsstück.

Das ist aus heutiger Sicht jedoch undenkbar. Für einen Einsatz gilt 18 als das Mindestalter. Und ohne absolvierte Grundausbildung bleibt jeder Löscheinsatz graue Theorie.

"Brauchen keine Straßensänger"

1958 belegt Fuchs in Haldensleben einen Maschinistenlehrgang. In dieser Zeit ist er neben Einsätzen in Ilsenburg auch in Drübeck aktiv, wo er später hinzieht. 1972 wird er in Ilsenburg der stellvertretende Verantwortliche für Technik im neuen "Wirkungsbereich", eine damals übergeordnete Dienststelle der freiwilligen Feuerwehr. Damit vergrößern sich seine Aktivitäten auf weite Teile des heutigen Nordharzes, die bis zur Wende mit in seiner Verantwortung liegen.

Am 16. Februar 2002 reißt ihn ein Unfall während eines Brandes auf einem Firmengelände jäh aus seiner aktiven Zeit. Er stürzt auf dem vom Löschwasser vereisten Boden und verletzt sich das Schultergelenk. "20 Prozent Dauerschaden", erinnert sich Fuchs. Die Folgen spürt er bis heute. Das war sein 47. Jahr bei der Wehr. "Eigentlich wollte ich ja die 50 voll machen."

Seit seinem 65. Geburtstag ist der Drübecker Mitglied der Altersabteilung. Das heutige Jubiläum nimmt nicht nur Fuchs zum Anlass, Bilanz zu ziehen: "Es befriedigt einen ungemein, wenn man jemandem helfen konnte". Im Falle von Sepp Fuchs war das schon hundertfach der Fall.

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