Die Agraringenieurschule (AIS) bestand von 1921 bis 1992. Am Sonnabend wurde das 90. Gründungsjubiläum der ersten höheren Schule in Wernigerode begangen. Ein gelungenes Wiedersehen. Denn mehr als 600 Ehemalige aus vielen Teilen der Republik waren in den Bürgerpark gekommen.

Wernigerode. "Am 9. Dezember 1983 haben wir uns in der Schule kennengelernt." An dieses Datum erinnert sich Petra Kropp ganz genau. Damals waren sie und ihr Mann Hans-Thomas Studenten an der Agraringenieurschule in Wernigerode. Im vergangenen Jahr feierten die beiden ihren 25. Hochzeitstag.

So wie das Ehepaar Kropp gibt es schätzungsweise 60 bis 100 Ehepaare, die sich in der Zeit zwischen 1921 und 1992 in der Landwirtschaftsschule und späteren Agraringenieurschule (AIS) kennen und lieben lernten. Darüber hinaus sind in den 71 Jahren, die die Einrichtung bestand, unzählige Freundschaften entstanden, die meist heute noch bestehen.

Am Sonnabend feierten mehr als 600 Absolventen und Dozenten im Bürgerpark das 90. Gründungsjubiläum der Einrichtung. Auf dem Gelände der Landesgartenschau 2006 steht das ehemalige Lehr- und Internatsgebäude. Organisiert wurde das Großereignis von den Mitarbeitern der Park und Garten GmbH unter der Leitung von Marlies Ameling. "Die Leute riefen aus allen Teilen der Republik an", freute sie sich über die rege Beteiligung.

Seit Oktober hatte sie mit einem Vorbereitungskomitee das Treffen geplant. In ihren Augen war das längst überfällig. "Endlich können die Klassenkameraden einen Abschluss finden." Denn nach der Wiedervereinigung Deutschlands war der Rektor im Dezember 1991 angewiesen worden, das Personal zu entlassen. 1992 schloss die traditionsreiche Bildungseinrichtung dann ihre Pforten. Für viele war das Jubiläum eine willkommene Gelegenheit, mit dem Kapitel abzuschließen.

Groß war die Wiedersehensfreude, herzlich die Umarmungen. Viele trauten ihren Augen kaum, als sie ihre Klassenkameraden entdeckten. "Seit mehr als 20 Jahren haben wir uns schon nicht mehr gesehen", freute sich Wolfgang Sprengler. Seinen "alten Kumpel" Dieter Müller erkannte er trotz der langen Zeit sofort. "Irgendwann hatten wir uns aus den Augen verloren."

Ungefähr 4500 geprüfte Agrarwirte und -ingenieure sind aus der ersten höheren Schule, die es in Wernigerode gab, hervorgegangen. Im Alter von 16 bis 19 Jahren kamen sie als Facharbeiter an die AIS. "Das war ein ungeheuer prägendes Alter", so Werner Kropf. Der 1942 geborene Wahl-Wernigeröder verfasste die Festschrift zum Jubiläum, war im Vorbereitungskomitee und stellte die Ausstellung im ehemaligen Schafstall mit Fototafeln aus der Geschichte der Schule zusammen. Er studierte zwischen 1958 und 1962 an der AIS und trifft sich alle drei Jahre mit seinem einstigen Klassenverband. "Wir sind zwar 49 Jahre aus der Schule raus, aber immer noch durch die Studiumszeit verbunden."

Tosender Applaus für ehemalige Dozenten

In Erinnerung geblieben ist ihm und vielen anderen die Dozentin Ruth Flägel. Die 79-Jährige begann 1953 mit 22 Jahren, Biologie und Tierzucht zu unterrichten. "Die meisten meiner Studenten waren älter als ich", sagte sie schmunzelnd. Werner Kropf kann sich noch gut entsinnen, wie die junge Lehrerin ihren Schülern damals mit dem Fahrrad jeden Tag mittags das Essen aufs Feld brachte. Bei der Festansprache erhielten sie und ihre einstige Kollegin Margot Stein tosenden Applaus von den hunderten Ehemaligen, die sich im Festzelt versammelt hatten.

Lautstarken Beifall erntete auch Armin Willingmann, der Anekdoten aus dem Tagesablauf eines AIS-Studenten zum Besten gab. Der Rektor der Hochschule Harz fasste sich kurz in seiner Ansprache. "Sie haben sich bestimmt noch viel zu erzählen", erklärte er und lag damit anscheinend goldrichtig. Umgehend widmeten sich alle wieder den Geschichten ihrer Schulzeit.

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