Wernigerode. Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) dampft weiter in der Erfolgsspur.

Dieses Fazit konnte Matthias Wagener gestern beim Bilanzpressegespräch für 2010 ziehen. Allerdings war die Zahl der Fahrgäste mit knapp 1,1 Millionen auf dem 140,4 Kilometer langen Streckennetz rückläufig (wir berichteten). Das Minus von etwa fünf Prozent begründete der HSB-Chef mit den extremen Witterungsbedingungen. Danach gab es einen ungewöhnlich langen Winter mit viel Schnee, einen heißen Sommer und feucht-kühle Herbstmonate. Wagener: "So richtig schön war das alles nicht."

Insgesamt legte das Unternehmen im vergangenen Jahr 717 000 Zugkilometer zurück.

Mit zehn Millionen Euro Umsatz konnte das Niveau der Vorjahre gehalten werden, betonte der Geschäftsführer. Dies übrigens trotz erheblich gestiegener Kosten. So verteuerte sich eine Tonne Kohle von 2008 bis 2010 um 126 Prozent.

Als wichtige Einnahmequellen haben sich einmal mehr die rund 240 zusätzlichen historischen Sonderzüge mit über 30 000 Passagieren erwiesen. Ungebrochener Beliebtheit erfreut sich zudem "Faust - die Rockoper auf dem Brocken" auch fünf Jahre nach ihrer Premiere. Alle 33 Aufführungen des seit Februar 2010 um den zweiten Teil erweiterten Spektakels waren ausverkauft.

Kräftig investiert wurde in den zurückliegenden zwölf Monaten auch in die technische Ausstattung. Dazu zählten unter anderem die Rekonstruktion des Haltepunktes Hochschule Harz in Wernigerode für rund 120 000 Euro und der Wormkebrücke zwischen Elend und Drei Annen Hohne (etwa 300 000 Euro).

Wie alle anderen Bauprojekte ist die HSB dabei auf die Förderung durch die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen in Höhe von mindestens 75 Prozent angewiesen. Beide Geldgeber stehen unverändert zum Unternehmen, ebenso wie die durch die jüngste Gebietsreform auf zehn geschrumpfte Zahl der Gesellschafter. Für diese Unterstützung bedankte sich Wagener. Anerkennung zollte der Geschäftsführer gleichzeitig den 260 HSB-Beschäftigten. Deren Durchschnittsalter liegt derzeit bei 44 Jahren. Unter ihnen sind elf Azubis. Acht von ihnen lernen Industriemechaniker, die anderen Bürokauffrau. Matthias Wagener: "Wir bilden seit 1997 kontinuierlich aus und haben bisher jeden behalten, der das wollte."

Für dieses Jahr kündigte der HSB-Chef weitere Vorhaben an. Danach wird voraussichtlich ab Mai der von Wernigerode aus gesehene erste Bahnübergang in Drei Annen für rund 400 000 Euro technisch umgerüstet. Etwa 700 000 beziehungsweise 800 000 Euro sollen die Halbschrankenanlagen in der Amtsgasse und Friedrichstraße (Oberhasserode) kosten. Ebenfalls im Plan steht die Erweiterung des Kundenbereichs im Bahnhof Westerntor (10 000 Euro).

Bereits begonnen haben die Vorbereitungen auf das 2012 anstehende Jubiläum "125 Jahre Schmalspurbahnen im Harz". Laut Wagener gibt es vorab am 15. September dieses Jahres eine Buchpräsentation und zwei Sonderzüge anlässlich des 20. Jahrestages der Wiederaufnahme des Personenzugbetriebs auf der Brockenstrecke. Außerdem wurde zum 125. eine offizielle Sonderbriefmarke der Deutschen Post beantragt. Matthias Wagener: "Es wäre schön, wenn wir damit durchkommen."