Als erstes Kind in der Wernigeröder Kinderklinik hat der neunjährige Robin Sühl eine neuartige Insulinpumpe erhalten. Das System kommt ohne Schlauch aus. Das Insulin wird computergesteuert zugeführt und kann damit dem individuellem Bedarf, zum Beispiel bei Sport oder Krankheit, angepasst werden.

Wernigerode. "Als wir von der Krankheit erfahren haben, sind wir aus allen Wolken gefallen", denkt Martine Sühl noch mit Schrecken an jenen Herbsttag zurück, als ihr Sohn Robin in die Kinderklinik am Steinberg eingeliefert wurde. Die Diagnose von Oberärztin Dr. Uta Grumpelt: Robin hat Diabetes mellitus, Typ 1. Von dieser Art der Zuckerkrankheit sind in Deutschland im Gegensatz zu den Millionen Patienten mit Altersdiabetes nur etwa 26000 Kinder und Jugendliche betroffen. Und diese Diagnose stellt für sie von einem Tag auf den anderen das gesamte Leben auf den Kopf: Mehrmals täglich spritzen sie sich das lebenswichtige Insulin, das ihr Körper selbst nicht mehr produzieren kann. Messen mehrfach am Tag ihre Blutzuckerwerte und müssen genauestens auf ihre Ernährung achten.

Auch Robin, der inzwischen seinen neunten Geburtstag gefeiert hat, hat schnell lernen müssen, wieviel Kohlehydrate eine Scheibe Brot, eine Banane oder ein Teller Nudeln mit Tomatensoße hat. Und wie er das Insulin mit einem sogenannten PEN sich selber spritzt.

Seit Anfang der Woche geht das für ihn aber noch viel einfacher. Er ist das erste Kind, das mit einer neuartigen Insulinpumpe ausgestattet ist. Das kleine Teil, 34 Gramm schwer, ist auf seiner Bauchdecke befestigt und kommt ohne den sonst üblichen Schlauch aus. "Das Insulin wird gespritzt, wenn ich etwas essen möchte", erläutert Robin. Zuvor gibt er den ermittelten Kohlehydratbedarf in einen handygroßen Minicomputer ein, der die genaue Dosis errechnet und drahtlos an die Pumpe übermittelt. "Das ist viel einfacher, als der PEN. Jetzt gibt es nur noch einen Piekser in drei Tagen", freut sich der Junge, der schon hervorragend mit der neuen Technik umgehen kann.

"Jetzt kann er auch wieder ganz normal mit den anderen Kindern zusammen essen", sind seine Eltern erleichtert. "Das ist ein enormer Sprung an Lebensqualität", so die Wernigeröder. Denn mit dem neuartigen Gerät kann Robin nun auch wieder seinem Hobby, dem Tennisspiel, nachgehen, ja sogar bis zu einer Stunde baden und bis in sieben Meter Tiefe tauchen.

"Da lastet aber auch eine enorme Verantwortung auf demjungen Patienten", weiß Bärbel Ehlers, die ganz begeistert ist, wie gut Robin mit der neuen Technik schon umgeht. "Diese Hightec ist zwar schön, aber sie ersetzt nicht das Blutzuckermessen sowie das Berechnen der Kohlehydrateinheiten", so die Diabetes- beraterin, die ihren kleinen Patienten in zahlreichen Schulungen für das neue System und das Leben mit der Krankheit fit gemacht hat.

90 junge Patienten

Allein in der Wernigeröder Kinderklinik und dem ihr angeschlossenen Medizinischen Zentrum Harz werden aktuell 90 Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus, Typ 1, behandelt. Der Vorteil liegt dabei in der Kombination von stationärer und ambulanter Betreuung, so dass die Kinder und Jugendlichen immer ihre vertrauten Ansprechpartner haben. "Hier wurden wir so gut aufgefangen", lobt Martine Sühl die Arbeit der Ärzte und Schwestern. "Durch das vermittelte Wissen sind wir richtig gestärkt aus der ersten Schulung ‘rausgegangen. Damit wurden uns viele Ängste genommen", ergänzt ihr Mann Thorsten. "Wir haben sehr viel Glück gehabt."