Genau genommen hatte "Koran" mit 17 sein Leben schon hinter sich. Tieffliegende Flugzeuge ließen das scheuende Pferd bereits vor fünf Jahren aus einer Darlingeröder Koppel ausbrechen. Nach der Kollision mit einem Zug schien das Schicksal des Warmblüters besiegelt. Doch eine ganze Reihe glücklicher Umstände bescherten dem schwerstverletzten Tier eine Perspektive.

Drübeck. Anstelle der Dressur hieß das "Gnadenbrot" für den hochbetagten "Koran" ausschließlich voltigieren. Am Wochenende wurde der Senior im Streithölzer Weg in Drübeck 22 Jahre alt und von den Kindern für seine ausgesprochene Gutmütigkeit mit einer Möhrentorte belohnt. Eine Zeremonie, mit dem sie den Vierbeiner ansonsten auch zu Ostern und Weihnachten Jahr für Jahr überraschen.

Eigentlich war "Korans" Ende beim Schlachter schon vor fünf Jahren vorbestimmt. Viel zu groß waren die Verletzungen nach dem Zusammenstoß mit einem Zug. Es galt nahezu als aussichtslos, dass sich "Koran" jemals wieder erholen würde. Insofern ein kleines Wunder, dass der Hengst 22-jährig immer noch die kleinen Mädels "auf sich herumturnen lässt" und folgsam seine Runden an der Lounge im Parcours dreht. Grad so, als wäre er zwölf.

Der Möhrentorte ging wie an jedem Sonnabendvormittag das übliche Training der jungen Mädchen voraus. Radschlag über den Pferderücken, Standwaage und all die anderen Übungen – mit geradezu stoischer Gelassenheit verrichtete Geburtstagspferd "Koran" auch an einem solchen Tag seinen Dienst.

Die begeisterten zehn Reiterinnen aus Darlingerode, Drübeck, Veckenstedt oder Wernigerode sind genauso erfolgsverwöhnt, wie ihr vierbeiniger Senior. Denn: Macht sich die Gruppe erstmal zu einem Wettkampf auf, landen die Sportlerinnen nahezu immer auf Platz 1. Gewinnen ist für "Koran" Routine. Genauso wie die mit Äpfeln garnierte Torte zum Geburtstag.

Bereits als Vierjähriger wurde der Hengst neben der Dressur auch als Voltigierpferd genutzt. Mittlerweile haben ganze Generationen im Altkreis Wernigerode auf seinem Rücken die Scheu vor großen Pferden verloren. Dass das so kam, ist vor allem Trainerin Sabine Hartmann zu verdanken. Genau genommen gehört sie zur Außenstelle Drübeck des Silstedter Reit- und Voltigiervereins. Mit Letzterem ist sie mittlerweile schon seit 36 Jahren verbunden.

Ende Mai geht es zum nächsten Wettkampf nach Ausleben bei Oschersleben. Etwas anderes als einen neuerlichen Sieg mit ihrem Voltigierpferd können sich die Drübecker "Koranis" nur ganz schwer vorstellen. Der 22-Jährige wird‘s schon richten – wie in jedem Jahr.

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