Wernigerode. "Flexible Schuleingangsphase" lautete das Thema des ersten gemeinsamen Elternabends – organisiert vom Stadtelternrat Wernigerode.

Ein Thema, das es in sich hat, das in den letzten Monaten für viel Gesprächstoff aber auch für viel Verunsicherung bei Lehrern wie Eltern gesorgt hatte, so Cary Barner, Chefin des Stadtelternrats.

Bereits seit 2005 ist die Einführung der Flexiblen Schuleingangsphase für Grundschulen im Schulgesetz von Sachsen-Anhalt festgeschrieben. Fast alle Schulen der Region befinden sich inzwischen zumindest in einer Art Test- und Übergangsphase. Flexible Eingangsphase – das bedeutet: Es werden jahrgangsübergreifende Klassen eingerichtet, in denen Kenntnisse und Fertigkeiten der Klassen 1 und 2 vermittelt werden und in der die Schüler mindestens ein und maximal drei Jahre verbleiben.

"Viele Eltern können sich nicht vorstellen, wie der gemeinsame Unterricht abläuft, welche Vorteile dieses Modell für ihre Jüngsten hat", erklärte Barner. "Es herrscht wahnsinniger Informationsbedarf."

Als Expertin war deshalb an diesem Abend Birgit Kayser, schulfachliche Referentin des Landesverwaltungsamtes, geladen. "Ich brenne für dieses Thema,", bekannte die Blankenburgerin gleich zu Anfang. Ausgangspunkt sei der unterschiedliche Bildungsstand von Schulanfängern. "Manche können schon lesen und schreiben, andere können noch nichts."

Durch individuelles Lernen, wie während der Flexiblen Schuleingangsphase vorgesehen, erhält jedes Kind die Chance, in die dritte Klasse versetzt zu werden – je nachdem wie schnell oder wie langsam es lernt – nach einem, zwei oder drei Jahren. "Nichts ist schlimmer, als ständig das Gefühl zu haben, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein", so Birgit Kayser. Dieser innere Druck werde nun gemindert.

Dass das neue Unterrichtsmodell vor allem die Grundschullehrer vor eine große Herausforderung stellt, zeigten die Vorträge von Mitarbeitern der Grundschule Badersleben sowie der Martin-Luther-Grundschule Blankenburg. Intensive Fortbildungen vorab und detaillierte Planungen des Unterrichts sind notwendig, um wirklich allen Schülern in den altersgemischten Klassen gerecht zu werden.

"Wir erstellen individuelle Lernpläne, müssen uns untereinander wöchentlich, monatlich abstimmen. Das ist ein enormer Zeitaufwand", schätzte eine Lehrerin ein. Das Modell lasse sich nur dann umsetzen, wenn die Kollegen es auch wirklich wollen. Und jede Schule müsse ihren eigenen passenden Weg für die Umsetzung finden. Ob Schulnoten, Smileys oder gar keine Benotung, ob Einzelförderung oder gemeinsame Projektarbeit – "wichtig ist, dass schlussendlich etwas dabei herauskommt. Und daran arbeiten wir jeden Tag aufs Neue." Gemeinsames Fazit des Elternabends im Wernigeröder Rathaussaal: "Die Eltern müssen einfach auf die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer vertrauen", so Cary Barner. "Sie müssen sie als Partner und die Flexible Schuleingangsphase als Chance begreifen."

Auch zukünftig wolle der Stadtelternrat Themenabende organisieren, informierte die Vorsitzende. "Einmal jährlich. Das Ganze muss sich erst einmal etablieren." Jetzt stehe zuerst die Auswertung des jüngsten Elternabends an.

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