Hexen und Teufel treiben ab sofort auch im Wernigeröder Harzmuseum ihr Unwesen. In einer Sonderausstellung wird dort der Mythos Walpurgis historisch beleuchtet. Konzipiert wurde die Exposition von Studenten der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Wernigerode. "Das gab es noch nie", sagte Silvia Lisowski beinahe fassungslos, "dass bei einer Ausstellungseröffnung der ganze Rathaussaal vollbesetzt ist – dass wir noch Stühle reinstellen, dass Leute sogar stehen müssen." Dabei war die Chefin des Harzmuseums erst überhaupt nicht begeistert, als Dr. Uwe Lagatz ihr von seiner Idee für eine Sonderausstellung erzählt hatte. "Walpurgis? Hexen und Teufel im Harzmuseum? Ich war kategorisch dagegen." Glücklicherweise ließ sie sich dann doch umstimmen, und entstanden ist eine interessante Exposition, die dem Mythos Walpurgis nachspürt. Und noch eine zweite Premiere: Die Ausstellung wurde nicht von Silvia Lisowski und ihren Mitarbeitern konzipiert, sondern von Studenten der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und ihrem Dozenten Uwe Lagatz.

So war es nicht verwunderlich, dass bei der feierlichen Eröffnung auch die Studenten das Wort ergriffen und in ihr "Spezial-Gebiet" einführten. "Was verbindet man heutzutage mit Walpurgis?", fragte z. B. Sebastian Berbalk. "Laute Musik, viele verkleidete Menschen, Tanz. Aber was genau wird da gefeiert?" Das liege in den Mythen des Harzes begründet. So glaubten die Menschen vor Jahrhunderten, dass hoch oben auf dem Brocken und auch anderswo die Hexen ihr Unwesen trieben. Um die Spukgestalten abzuwehren, wurden im Frühjahr Strohhexen verbrannt und Peitschen geknallt. "Daraus entwickelten sich Brauchtum und regionale Feste", so Berbalk. "Allerdings noch ohne Touristen." Dank Goethes "Faust" wurden die Walpurgisfeiern im Harz Anfang des 19. Jahrhunderts einem großen Publikum bekannt. Aber auch schon vorher wurden die Feierlichkeiten in Harzreiseführern erwähnt.

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man Walpurgis dann als touristische Attraktion. Zuerst die Walpurgisgesellschaft in Bad Harzburg und später der Harzer Verkehrsverband etablierten das Fest zu einem Massenereignis rund um den Brocken. So fuhren schon 1901 am Abend des 30. Aprils Sonderzüge zum Harzgipfel, 1902/03 feierten dort über 800 Menschen.

Der Zweite Weltkrieg, 1961 der Bau der Mauer und der damit geteilte Harz brachten die ausgelassenen Feste schließlich zum Erliegen, obwohl, wie Sebastian Berbalk informierte, privat und im kleinen Kreis weiter gefeiert wurde. Nach der Wende entwickelte sich Walpurgis dann wieder zu einem großen Spektakel für den gesamten Harz.

Dieser geschichtliche Ablauf wird nun in der Ausstellung "Mythos Walpurgis – eine historische Spurensuche" aufgezeigt. Darüber hinaus werden noch weitere interessante Aspekte wie die Walpurgisnacht in Kunst und Kultur näher beleuchtet. Zahlreiche Exponate wie Kupferstiche, Gemälde, Bücher und Dokumente, Postkarten und sogar Daumenschrauben und eine Teufelsmaske sind zu sehen. Auch eine Begleitbroschüre wurde von den Studenten in Zusammenarbeit mit dem Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein erarbeitet. Und wer sich über die Geschichte der Walpurgisfeiern hinaus noch für die Entwicklung des Tourismus im Harz interessiert, hat nur knapp 100 Meter weiter in der Galerie "1530" dazu Gelegenheit. Dort wird die Ausstellung "Hercynia Curiosa" – ein Gemeinschaftsprojekt ebenfalls unter der Federführung von Uwe Lagatz – gezeigt.

"Ich bin richtig stolz auf das, was wir hier geschafft haben", sagte Silvia Lisowski abschließend. "Und fragt mich noch mal jemand, ob ich mit Studenten eine Ausstellung konzipieren will, dann sage ich natürlich sofort Ja."