Den Müllrowdys auf der Charlottenlust wird der Kampf angesagt. Seit Jahren ärgern sich Anwohner über zugemüllte Wiesen und Lärmbeläs-tigung rund um das beliebte Wernigeröder Ausflugsziel. Kann vielleicht ein Poller die Übeltäter fernhalten?

Wernigerode. Die Charlottenlust gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen rund um Wernigerode. Nicht nur Wanderer, sondern vor allem auch junge Leute "erklimmen" den 268 Meter hohen Lustberg im Norden der Stadt zu Fuß oder per Auto, um die Natur und den sagenhaften Blick auf Wenigerode zu genießen. Weniger sagenhaft sind die Hinterlassenschaften, die nach solchen Ausflügen zurückbleiben.

Papiertüten, Zigarettenschachteln, Trinkbecher, Verpackungsmüll liegen über die Wiese verstreut – "wahrlich kein schöner Anblick", ärgert sich Wolfgang Hartwich, der im benachbarten Wohngebiet lebt. Besonders dreist: Bei der Frühjahrsputz-Aktion im April säuberten fleißige Helfer auch die Grünfläche auf der Anhöhe. Schon zwei Stunden nach dem Einsatz habe es schlimmer ausgesehen als zuvor.

Und das sei nicht alles. "Fast jeden Sonnabendabend fahren Autokolonnen hinauf zur Charlottenlust", so der Wernigeröder. "An manchen Wochenenden habe ich bis zu 25 Jugendliche gezählt." Sie würden dort oben Burger und Pommes vom nahegelegenen Fastfood-Restaurant verzehren, rauchen, an ihren Autos herumwerkeln und laute Musik hören. "Die Bässe wummern bis ins Wohngebiet, manchmal geht das bis 23, 24 Uhr", beschwert sich der Anwohner. Schon mehrfach habe er wegen der Lärmbelästigung die Polizei gerufen. "Aussichtslos. Wenn die Jugendlichen die Beamten sehen, machen sie ihre Radios aus. Kaum sind sie weg, schalten sie sie wieder an."

Dass Wolfgang Hartwich nicht der einzige Anwohner ist, den die Müllrowdys stören, ist auch bei der Stadtverwaltung bekannt. "Wir haben dort oben extra Papierkörbe aufgestellt. Aber die bleiben leer", so Bauhofchef Wolfgang Patzina im jüngsten Ordnungsausschuss, bei dem das Müllproblem auf "der Lust" Thema war. "Es ist einfach katastrophal." Auf dem Parkplatz am Katzenteich und auf der Fußgängerüberführung des "Altstadtkreisels" sei es genau dasselbe.

"Ich weiß nicht, wie wir der Geschichte Herr werden sollen", gibt Ordnungsdezernent Volker Friedrich unumwunden zu. "Wir sind da machtlos." Polizeikontrollen seien nur dann erfolgreich, wenn jemand beim Wegwerfen von Müll ertappt wird. Präventiv tätig zu werden, sei ebenfalls schwierig. "Die Mitarbeiter der Stadtjugendpflege könnten Kontakt zu den Jugendlichen aufnehmen", so Friedrich. "Aber das allein ist nicht das Allheilmittel." Zumal die Stadtjugendpflege für die Müllrowdys mit Auto wohl nicht mehr zuständig sei.

"Vielleicht schreckt ein Umweg ab."

Warum nicht einfach einen kleinen Waldparkplatz mit Schildern ausweisen und die Zufahrt zur Wiese mit Baumstämmen abgrenzen, schlägt Anwohner Wolfgang Hartwich vor. Das Problem sei, nur die Zuwegung ist öffentlich, das restliche Gelände sei Privatbesitz, gibt Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich zu bedenken. "Wir könnten den Weg auch mit einem Betonpoller verschließen", so Fröhlich. Wenn die Jugendlichen einen Umweg von sechs Kilometern in Kauf nehmen müssen, schrecke sie das vielleicht ab. "Aber egal, wofür wir uns entscheiden – bevor wir irgendetwas unternehmen, müssen wir das Gespräch mit den Eigentümern suchen." Das Ordnungsamt wird nun die verschiedenen Varianten prüfen.

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